Flüchtlinge fassen Fuß

Integration am Arbeitsmarkt Als Gesellen und Azubis kommen Flüchtlinge im Handwerk unter. Die Handwerkskammer verzeichnet bereits einige Erfolgsgeschichten.
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    Flüchtling in der Backstube: Ahmad Haidari bei seiner Arbeit bei der Gmünder Bäckerei Stemke. Foto: Jörg Riedling

Schwäbisch Gmünd

Ahmad Haidari hat Ende Juli 2017 als erster Geselle im Kammergebiet seine Gesellenprüfung im Bäckerhandwerk abgelegt. Haidari kam bereits 2013 nach Schwäbisch Gmünd und begann dort eine Ausbildung bei der Bäckerei Stemke. Bäckermeister und anleitender Ausbilder Frank Stemke ist mit seinem Gesellen mehr als zufrieden: „Ahmad Haidari ist motiviert, absolut pünktlich und hat Spaß an seiner Arbeit.“ Ein Beispiel gelungener Integration in den Arbeitsmarkt.

Ewald Wasner, der als Willkommenslotse bei der Kammer die Betriebe bei der Integration von Flüchtlingen betreut, kennt viele Erfolgsgeschichten aus dem Kammergebiet: Es gebe immer mehr Betriebe, welche die Chance ergreifen und Menschen mit Flüchtlingshintergrund einstellen. So habe beispielsweise die Firma Dalheimer aus Rottenacker vier engagierte Mitarbeiter mit Flüchtlingshintergrund eingestellt. Für Betriebsleiterin Petra Dalheimer ist zentral, dass ihre Fachkräfte gute Sprachkenntnisse haben. Ein Mitarbeiter aus Gambia mache aktuell eine Ausbildung als Metallbauer, ein zweiter, der aus Eritrea nach Deutschland kam, ist Lehrling als Feinwerkmechaniker.

Genauso positive Erfahrungen hat Friseurmeisterin Simone Herrmann aus Ravensburg gemacht. Ihr Praktikant, der aus Afghanistan stammt, und seine Einstiegsqualifikation abgeschlossen hat, konnte im Oktober seine Ausbildung als Friseur beginnen.

Ahmad Haidari hat Spaß an seiner Arbeit.

Frank Stemke
Bäckermeister und Ausbilder

Für Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, beweisen diese Erfolgsbeispiele, dass Arbeit der Schlüssel zur Integration ist: „Unsere Betriebe zeigen im gesamten Kammergebiet über alle Gewerke hinweg außerordentliches Engagement und bieten den Menschen eine gute berufliche Perspektive. Sie tun das auch, weil wir die Fachkräfte im Handwerk brauchen“, sagte Mehlich.

Von ausgebildeten Flüchtlingen profitiere der Betrieb, bald der Kunde und somit das Land und das gesamte Steuer-, Abgaben- und Gesellschaftssystem. Mehlich hat deshalb eine klare Forderung an die Politik: „Flüchtlinge, die in Ausbildung sind, müssen vor einer Abschiebung geschützt sein. Damit sich das Engagement der Betriebe lohnt, muss die Zwei+Drei-Regelung greifen. Unsere Handwerksbetriebe brauchen Planungssicherheit“, sagte Mehlich.

Die guten Vermittlungserfolge mit 182 Geflüchteten allein 2017 gäben noch mehr Zuversicht für die Zukunft. Das Interesse bei den Ausbildungsbetrieben sei trotz mancher Unabwägbarkeiten klar vorhanden. Insbesondere in den Bereichen Elektro, Nahrung und im Bau-Bereich steige die Nachfrage der Betriebe, um den Fachkräftebedarf zu decken. Im Hinblick auf die Anzahl der offenen Stellen gebe es weiter für alle Jugendlichen noch genügend Chancen auf eine Ausbildung – unabhängig vom Alter, Geschlecht oder der Herkunft. Tobias Mehlich: „Die Flüchtlinge nehmen übrigens niemanden einen Ausbildungsplatz weg. Wir haben über 900 Ausbildungsplätze in den Handwerksbetrieben zwischen Ostalb und Bodensee noch zur Verfügung.“ sk

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© Wirtschaft Regional 01.12.2017 18:47
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