Online ersetzt Shoppen nicht

Marketing Club Ostwürttemberg Diskussionsrunde hinterfragt die Verbindung von Online- und Einzelhandel. Ein Miteinander werde es weiter geben.
  • c65877b4-2e3b-4a9c-9509-6d98e818aaf1.jpg
    Regional trifft digital – darüber diskutierten: Heinrich Riethmüller (r.), Florian Bader (2.v.r.), René Halle (2.v.l.) und Jürgen Pröbstle (l.). Oliver Röthel (3.v.re.) moderierte die Veranstaltung. Charlotte Helzle lobte den gelungenen Abend. Foto: Marketing Club Ostwürttemberg

Heidenheim

Weihnachten rückt näher und somit auch die Suche nach passenden Geschenken. Dem Verbraucher ist es selbst überlassen, ob er diese online oder während eines Stadtbummels im Einzelhandel kauft. Doch bleibt das auch in Zukunft so? Darüber diskutierte der Marketing Club Ostwürttemberg im Kasino der Hauptstelle der Heidenheimer Volksbank.

Eine Kombination aus online und stationärem Einzelhandel soll den Verbraucher langfristig zufriedenstellen. Zu diesem Schluss kamen die Mitglieder des Marketing Clubs bei der Diskussionsrunde mit dem Titel „Regional trifft digital“ unter der Leitung von Club-Vizepräsident Oliver Röthel.

Laut Statista belief sich der Umsatz des Online-Handels in Deutschland im Jahr 2015 auf mehr als 50 Milliarden Euro. Mittlerweile setze auch die ältere Generation aufgrund der großen Auswahl an Produkten und schnellen Lieferung auf den Online-Versandhandel. Die Tatsache, jeden Tag rund um die Uhr im Internet einkaufen zu können, setze die Geschäfte unter Druck, wie Heinrich Riethmüller, Geschäftsführer der Osiander Buchhandlungen und ausgewiesener Branchenexperte, verrät. „Wir können nicht verlangen, dass unsere Kunden aus reiner Sympathie und Tradition zu uns in den Laden kommen. Die Abläufe müssen reibungslos funktionieren und die Verkäufer gut geschult sein“, sagt Riethmüller in der Diskussion. Sowohl der Online- als auch der stationäre Einzelhandel müssten sich schneller und besser an die Ansprüche der Verbraucher anpassen. Von logistischen Problemen an den Packstationen bis zum persönlicheren Online-Service gebe es überall Optimierungsbedarf, meint Florian Bader, Geschäftsführer des Ellwanger E-Commerce-Dienstleisters Clickconcepts.

Online- und Einzelhandel sollen sich ergänzen.

Jürgen Pröbstle
Marketingleiter Voba Heidenheim

Das virtuelle Sprechzimmer: Was sich heute noch wie ein Zukunftsszenario anhört ist laut René Halle, Leiter Zentrales Marketing von Hartmann Deutschland, nützlich, notwendig und bereits in Teilen umgesetzt. Online-Sprechstunden bei Ärzten und Live-Beratung durch medizinisches Fachpersonal seien angesichts des Fachkräftemangels besonders in ländlichen Gebieten eine Chance, bieten sie doch eine Orts- und Zeitunabhängigkeit. Die persönliche Zuwendung des Arztes könnten sie aber nie ersetzen. Die richtige Beratungsform sei definitiv eine Frage des Produkts, Zeitpunkts und des Orts, aber insbesondere des Kundenwunsches, erklärt Halle weiter.

„Natürlich ist Onlinebanking profitabler als eine Geschäftsstelle oder ein Bankautomat. Das ändert aber nichts daran, dass wir uns den Bedürfnissen aller Kunden anpassen wollen“, sagt Jürgen Pröbstle, Marketingleiter der Heidenheimer Volksbank. Deswegen würden weiterhin Bankfilialen und Automaten neben dem Onlinebanking bestehen bleiben. Es sei eben nicht möglich, sich nur auf die Nutzer moderner Medien zu konzentrieren, meint Pröbstle.

Am Beispiel einer Münchner Apotheke sieht man, dass sich Verkaufsstrategien gut verbinden lassen. Die im Internet bestellten Medikamente werden innerhalb von zwei Stunden aus der Apotheke zu den Kunden nach Hause geliefert. Pröbstle: „Online- und Einzelhandel sollten sich gegenseitig ergänzen und eine Symbiose schaffen.“

zurück
© Wirtschaft Regional 23.11.2017 12:15
Ist dieser Artikel lesenswert?
738 Leser
nach oben