Gmünder Design für den Iran

Industriedesign Das Gmünder Büro Ottenwälder und Ottenwälder ist im Iran aktiv geworden. Die Erfahrungen bei der Abwicklung der Aufträge sind positiv.
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    Petra Kurz-Ottenwälder und Max Ottenwälder haben zwei Aufträge im Iran an Land gezogen. Fotos: David Stifani
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    Für Electropeyk gestaltete das Büro diese Türsprechanlage.
Schwäbisch Gmünd. Henkel tut es schon länger, Siemens und Bosch seit kurzem wieder – und auch die Industriedesigner Ottenwälder und Ottenwälder haben es gewagt: Die Designagentur hat ein Projekt im Iran gestartet. Seit September produziert die iranische Firma Electropeyk Video-Türsprechanlagen mit deutschem Design. Ein weiterer Auftrag hat begonnen.

Ein Engagement im Iran ist für viele Branchen interessant. Dass aber auch kleinere Unternehmen von Projekten profitieren können, zeigt das Beispiel des Gmünder Designbüros. Die Agentur für Industrie- und Interaktions-Design erhielt bereits Ende 2014 einen Auftrag des iranischen Unternehmens. „Bei Ottenwälder und Ottenwälder hat uns vor allem die Designphilosophie überzeugt: Gestaltung ist kein Selbstzweck, sondern transportiert Botschaften, Werte und Emotionen“, erklärt Mohammad Hossein Rostami von Electropeyk die Entscheidung. Dazu käme das Fachwissen und die Erfahrung des Designbüros. „Damit konnten sich Ottenwälder und Ottenwälder in einem Auswahlprozess gegen fast 100 andere Agenturen durchsetzen“, erklärt Rostami.

Die Industriedesigner erhielten den Auftrag, eine Video-Türsprechanlage für Ein- und Mehrfamilienhäuser zu entwerfen. Sie sollte Aluminium, Edelstahl und Glas in einem eleganten Look vereinen und dabei nutzerfreundlich und funktional sein. „Als wir die Anfrage von Electropeyk erhielten, waren wir zunächst skeptisch“, erinnert sich Geschäftsführerin Petra Kurz-Ottenwälder. „Ein Projekt in Iran – wollen wir das wirklich? Ist uns die politische Situation dort nicht zu heikel? Verstoßen wir womöglich sogar gegen Wirtschaftssanktionen?“ – diese Fragen stellte sich die Geschäftsführerin.

Trotz der Vorbehalte entschloss sich das Designbüro, die Herausforderung anzunehmen. „Heute freuen wir uns, dass wir diesen Schritt gewagt haben“, sagt Kurz-Ottenwälder. Trotz Startschwierigkeiten durch Bankenembargo und Visaproblemen zeigt sie sich mit dem Iran-Projekt heute glücklich. Die Zusammenarbeit beschreibt sie als sehr achtungs- und respektvoll und nicht komplizierter als mit Kunden in Europa. Vor allem auf Zusagen könne man sich bei den iranischen Partnern verlassen.

Wir haben noch ein zweites Projekt im Iran.

Petra Kurz-Ottenwälder
Geschäftsführerin des Designbüros

Das iranische Unternehmen empfindet die Zusammenarbeit ebenfalls als durchweg positiv. „Ottenwälder und Ottenwälder haben das perfekte Design für unsere Video-Anlage entwickelt“, freut sich Mohammad Hossein Rostami. „Das immense Wissen, die reiche Erfahrung, die gute Beratung und die Beachtung jedes noch so kleinen Details während des gesamten Entwicklungsprozesses führten zum perfekten Ergebnis: Eine Anlage, die stilvoll und elegant, dabei gleichzeitig zweckmäßig und unkompliziert in der Installation und Nutzung ist.“ Im Februar 2018 soll der Verkauf starten.

Ottenwälder und Ottenwälder verfolgen derzeit noch ein zweites Projekt im Iran: Für die Firma NBM Machinery entwickeln die Designer ein Corporate Product Design für Spritzgussmaschinen. Usability und Funktionalität stünden dabei im Vordergrund. Gleichzeitig soll das Erscheinungsbild für die Maschinen einheitlich und modern sein.

Deutschland ist weltweit der fünftgrößte Exporteur nach Iran und der größte innerhalb der EU. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer geht davon aus, dass sich der Handel innerhalb der nächsten fünf Jahre schnell intensivieren und auf einen Wert von rund 10 Milliarden Euro ansteigen wird. Das wäre mehr als dreimal so viel wie 2016. Der Investitionsstau der letzten Jahrzehnte führt im Iran dazu, dass viele Großprojekte nun kurz vor dem Abschluss stehen. Der Iran gilt als pro-westlicher und international aufgeschlossener als seine arabischen Nachbarn – auch weil ein Großteil der Bevölkerung jung und gut ausgebildet ist.

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© Wirtschaft Regional 17.11.2017 19:14
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