YG-1: Ministerin geht auf Unternehmen zu

Gewerbepolitik Nicole Hoffmeister-Kraut und Klaus Pavel wollen in der Oberkochener Vertrauenskrise vermitteln.
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    Ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut
Oberkochen. Die vom Stadtrat am Mittwoch mit 11:7 Stimmen getroffene Entscheidung, dem südkoreanischen Werkzeughersteller YG-1 eine Fläche von 1,5 Hektar (plus 1,7 Hektar in Option) im Gewerbegebiet Oberkochen-Süd II zu verkaufen und die darauf heftige Kritik vieler örtlicher Unternehmen (wir berichteten) war auch am Freitag das beherrschende Thema in regionalen Wirtschaftskreisen – und weit darüber hinaus.

Auf Anfrage dieser Zeitung teilte das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau in Baden-Württemberg mit, dass die Ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut dafür plädiere, „nach vorne zu schauen und das Thema Fachkräftesicherung offensiv anzugehen“. Die Bedenken der örtlichen Unternehmen würden von ihr sehr ernst genommen: „Deshalb beabsichtigt die Wirtschaftsministerin, mit den Unternehmen, die der Ansiedlung von YG-1 kritisch entgegensehen, sich auszutauschen, um gemeinsam Lösungen auszuloten mit dem Ziel, eine Verschärfung des Fachkräftemangels auf der Ostalb zu vermeiden.“ Dazu könnte das Wirtschaftsministerium die laufenden Aktivitäten zur Fachkräftesicherung im Verbund mit der Agentur für Arbeit dienstbar machen und auf die hier gewonnen Erfahrungen zurückgreifen. Die Wirtschaftsministerin, die auch für den Bereich Arbeit zuständig ist, äußerte sich zuversichtlich, „im gemeinsamen Gespräch Lösungen zu finden, die vor Ort helfen.“ Hoffmeister-Kraut will zeitnah zu solchen Vermittlungsgesprächen einladen.

Wie unsere Recherchen ergaben, hat Peter Traub in der Presseerklärung der Stadt Oberkochen vom Donnerstag zur Ansiedlung von YG-1 ein Zitat der Wirtschaftsministerin verwendet, dass diese bereits im September gab, als ihr vom Bürgermeister der Eindruck vermittelt wurde, dass die YG-1-Ansiedlung regional abgestimmt gewesen sei. Auch dieser Fakt zeigt, dass zur Beilegung dieser Vertrauenskrise ein sensibler und kompetenter Moderator notwendig ist. Landrat Klaus Pavel erklärte sich für diese Rolle bereit, auch im Schulterschluss mit der Ministerin. Auch Rektor Prof. Dr. Gerhard Schneider, der wie viele andere mit einer Vertagung der Oberkochener Ratsentscheidung gerechnet hatte, um wichtige neue Argumente zu bewerten, stellt das Interesse seiner Hochschule Aalen „an einem Dialog und an einem guten Miteinander mit den Firmen und mit den Kommunen“ heraus – denn: „Wir benötigen alle Firmen mit einem Bekenntnis zur kraftvollen Weiterentwicklung der Region, der Infrastruktur und der Infrastruktur für Bildung und Innovation – und dazu gehört die Hochschule“.

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© Wirtschaft Regional 10.11.2017 22:24
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