Stadt von morgen wird intelligent sein

Fachtagung Hohes Interesse an der Thematik „Smarte Stadtentwicklung“: Stadt Aalen schiebt den Prozess „Smart City“ gemeinsam mit der Hochschule Aalen an. Themen sollen aufs Lokale heruntergebrochen werden.
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    Die Referenten der Tagung (v.li.): Matthias Müller (Cellent), Dr. Stephan Anders (DGBN), Susanne Schatzinger (Fraunhofer IAO), OB Thilo Rentschler, Prof. Dr. Anna Nagl (Hochschule Aalen), Prof. Dr. Werner Sobek und Prof. Dr. Heinz-Peter Bürkle (Hochschule Aalen).

Aalen

In Kooperation mit der Hochschule Aalen veranstaltete die Stadt Aalen eine Fachtagung zum Thema Stadtentwicklung und deren smarten, weiteren Projektierung. Mit mehr als 100 Teilnehmern war das Interesse an dieser Auftaktveranstaltung hoch. Die Fachtagung sei ein wichtiger Baustein der strategischen Ausrichtung der Stadt als smarte, vernetzte und lebenswerte Stadt der Zukunft, sagte Aalens OB Thilo Rentschler. „Die Entwicklung intelligenter Lösungen für städtische Aufgaben entscheidet darüber, wie lebenswert unsere Städte sein werden. Schnelles Internet, intelligente Mobilitäts- und Infrastrukturkonzepte, Energieeffizienz oder die Kommunikation zwischen Verwaltung und Bürgerschaft sind nur einige Beispiele zur smarten Stadtentwicklung“, sagte er.

Zur Beantwortung zahlreicher zukunftsgerichteter Fragendazu kamen hochkarätige Referenten zu Wort. Architekt und Planer Werner Sobek hielt als gebürtiger Aalener das Hauptreferat „Die elektrische Stadt“ und entführte die Teilnehmer in eine elektrisch geprägte Stadt von morgen. Vor dem Hintergrund des weltweiten Bevölkerungswachstums und der Verknappung der Ressourcen machte er deutlich, dass zukünftig für immer mehr Menschen mit immer weniger Material gebaut werden müsse. Die Herstellung von Beton sei derzeit für sieben Prozent des weltweiten CO2-Ausstosses verantwortlich.

Sobeks Haus sei zu 100 Prozent recycelbar und erzeugt 160 Prozent der im Haus benötigten Energie selbst. Die überschüssige Energie könne fürs Laden des E-Autos genutzt oder ins Stromnetz eingespeist werden. In Zukunft kommunizierten also Häuser, E-Autos und Stromnetze miteinander und prüften Energie-Angebot und -Bedarf.

Ein weiteres Forschungsfeld für mehr Energieeffizienz im Bereich Architektur biete sich in der Überwindung der konstanten Baueigenschaften von Häusern. Als Beispiele nannte Sobek Häuser mit wechselnder Farbe der Außenwände.

Aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachteten Susanne Schatzinger vom Fraunhofer Institut Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) und Dr. Stephan Anders von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).

Beirat Smart City gegründet

Mein Haus ist zu 100 Prozent recycelbar.

Werner Sobek
Stararchitekt und Stadtplaner

Sie gaben einen Einblick in die Bedeutung von smarten und nachhaltigen Städten im Land und welche Herangehensweisen gebraucht würden, um sie zukunftsfähig und nachhaltig gestalten zu können. Eine wesentliche Voraussetzung dafür sei, dass alle wichtigen Schlüsselakteure, die zur Entwicklung einer Stadt beitragen, miteinander in Kontakt stünden, gemeinsam Projekte initiierten und sich regelmäßig austauschten. Mit der Gründung des Beirats „Smart City Aalen“ verfolgt die Stadt Aalen diesen Ansatz.

Der Beirat bündele Know-how und Kompetenz von lokalen Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Bürgerschaft. Das neu gegründete Gremium bildet einen wichtigen Baustein in der strategischen Ausrichtung Aalens. Die Stadt ist dem Projekt „Future Cities BW“, unter der Leitung von Susanne Schatzinger und Dr. Stephan Anders beigetreten – als erste Kommune in Baden-Württemberg. Das Projekt ist eine Initiative des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau.

„E-Mobilität wird sich – auch im ländlichen Raum – erfolgreich durchsetzen, wenn der Kunde mitmacht. Und er macht mit, wenn es sich wirtschaftlich für ihn lohnt und Lademöglichkeiten flächendeckend zugänglich sind“, fasste Prof. Dr. Anna Nagl, Leiterin des Kompetenzzentrums für innovative Geschäftsmodelle, die Erkenntnisse aus einer Umfrage unter Aalener Bürgern zusammen.

Ergebnisse der Umfrage

Mehr als die Hälfte der Aalener fahren mit ihrem Auto an Werktagen eine Strecke von bis zu 25 Kilometern. Diese Fahrleistung könne von E-Autos abgedeckt werden. Für PV-Anlagen gebe es in Aalen noch ausreichend Potenzial, denn 85 Prozent hätten bislang keine PV-Anlage am Haus. Einen Blick in die Zukunft gab Nagl abschließend mit einem realistischen Fallbeispiel, in dem anhand einer App Akku-Ladezustand, Inspektions- und Wartungstermine, Stau- und Verkehrsinformationen, Parkplätze mit Ladestation und vieles mehr für die tägliche Fahrstrecken geprüft oder auch direkt gebucht werden könnten.

Im letzten Vortrag der Fachtagung ging es bei Matthias Müller von der Aalener Cellent GmbH ums Thema „City Logistik für die Industrie 4.0“. Ebenso wichtig wie digitale Infrastrukturen, schnelles Internet und das Internet der Dinge seien die reale Straßen-Infrastruktur zur Beförderung von Waren und Produkten zum Kunden wichtig. „Die Verknüpfung von beiden umfasst die City-Logistik von morgen“, sagte er. Die Reduzierung von Stauzeiten im städtischen Verkehr sei für die Wirtschaft wie für Bürger von hohem Interesse. Durch Staus steige der CO2-Ausstoß.

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© Wirtschaft Regional 08.11.2017 15:46
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