Viele Lehrstellen bleiben unbesetzt

Ausbildung Im Ostalbkreis und im Heidenheimer Landkreis gibt es noch freie Ausbildungsstellen. Eine Bilanz der Aalener Arbeitsagentur, der IHK Ostwürttemberg und der Ulmer Handwerkskammer.
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    Zwischen freien Ausbildungsstellen und Bewerbern für eine duale Ausbildung klafft in der Region eine immer größere Lücke. Offene Stellen sind weiterhin vorhanden.
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    Elmar Zillert Foto: Archiv

Aalen

Die Schere zwischen freien Ausbildungsstellen und verfügbaren Bewerbern geht von Jahr zu Jahr weiter auseinander, wie der Vorsitzende der Aalener Agentur für Arbeit, Elmar Zillert, bei der Präsentation der Ausbildungsbilanz des Jahres 2017 sagt. „Auf eine Ausbildungsstelle kamen vor zehn Jahren noch zwei Bewerber. Inzwischen gibt es pro Bewerber ungefähr 1,3 freie Stellen zur Auswahl.“ Im Ostalbkreis gibt es 32 Prozent mehr Ausbildungsstellen als Bewerber, wie Elmar Zillert weiter bilanziert.

„Durch den starken Wettbewerb um junge Menschen zwischen Hochschule und Wirtschaft ist es schwer, die Stellen zu besetzen“, sagt Zillert. „Der Fachkräfteengpass nimmt zu und der Trend zum Studium hält an. Deswegen haben wir ein qualitatives und quantitatives Problem bei der Besetzung von Ausbildungsstellen.“

Elmar Zillert fordert deswegen eine Bewusstseinsänderung bei den Unternehmen in der Region: „Es sollten auch schwächere und ältere Bewerber oder Umschüler in Betrieben eingestellt werden. Da ist noch Luft nach oben drin.“

Ausbildungsplätze bieten die Betriebe im Ostalbkreis viele an. In diesem Ausbildungsjahr gab es 3122 Ausbildungsstellen für 2350 Bewerber, wie der Vorsitzende sagt. „Im Landkreis Heidenheim kamen auf 965 Bewerber 1102 Ausbildungsstellen.“

Bei der Ulmer Handwerkskammer sind im aktuellen Kalenderjahr noch 170 Ausbildungsstellen im Ostalbkreis und 58 im Landkreis Heidenheim unbesetzt, wie Karin Schmid, Geschäftsführerin Bildung und Mitgliedschaft der Handwerkskammer Ulm sagt. Da helfen auch nicht die 182 jungen Flüchtlinge, die im Bezirk der Handwerkskammer eine Lehre angefangen haben, die Lücken überall zu schließen. „Ausbildungssuchende, die keine Stelle bekommen haben, besuchen meist eine weiterführende Schule oder leisten einen sozialen Dienst“, sagt Zillert.

Auf einen Bewerber kommen 1,3 freie Ausbildungsstellen.

Elmar Zillert
Chef der Aalener Arbeitsagentur

Um offene Stellen zu besetzen, starten die Arbeitsagentur, die Ulmer Handwerkskammer und die IHK Ausbildungsmessen und Berufsorientierungen an Schulen. „Uns ist dadurch Erfreuliches gelungen, denn in diesem Jahr haben wir 14 Prozent der Abiturienten für eine Ausbildung im Handwerk gewonnen“, sagt Schmid.

Auch Flüchtlinge bieten ein Bewerberpotenzial. „Meistens wollen Flüchtlinge studieren, da sie denken, dass eine Ausbildung etwas Minderwertiges ist“, sagt André Louis, der Ausbildungsleiter der Industrie- und Handelskammer Ostwürttemberg. „Man muss ihnen erklären, was eine Ausbildung ist und was sie damit erreichen können.“

Das Problem bei der Ausbildungsvermittlung von Flüchtlingen: „Sie streben eine Arbeit an, da sie dort mehr verdienen. Wir müssen sie über die Arbeit zum Berufsabschluss bringen“, sagt Elmar Zillert und nennt das Stichwort „Teilqualifikation“. Dadurch sollen Flüchtlinge in kleinen „Häppchen“ lernen können und bekommen während der Ausbildung eine höhere Vergütung, wie Louis sagt.

Elmar Zillert: „Das Angebot richtet sich nicht nur an Flüchtlinge. Jeder siebte Beschäftigte hat keine Berufsausbildung, da er seine Familie ernähren muss und sich eine Ausbildung nicht leisten kann. Durch die Teilqualifizierung wird das möglich gemacht.“

Die beliebtesten Ausbildungsberufe

Bei der Aalener Agentur für Arbeit:
1 Kaufleute Büromanagement
2 Industriekaufleute
3 Kaufleute im Einzelhandel

Bei der Ulmer Handwerkskammer:
1 Kraftfahrzeugmechatroniker
2 Elektroniker
3 Anlagenmechaniker
Bei der IHK Ostwürttemberg:
Gewerblich:
1 Industriemechaniker
2 Zerspanungsmechaniker
3 Mechatroniker
Kaufmännisch:
1 Industriekaufleute
2 Kaufleute im Einzelhandel
3 Kaufleute für Büromanagement

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© Wirtschaft Regional 02.11.2017 17:41
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