Aktienclubs haben es nicht leicht

Jubiläum Der Wasseralfinger Aktienclub (WAC) feiert sein 25-jähriges Bestehen. Die 150 Festgäste bekommen Einblicke in die Stuttgarter Börse und Informationen zum neuen Steuerrecht.
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    Richard Dittrich macht den Börsenhandel transparent
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    Richard Dittrich macht den Börsenhandel transparent

Aalen

Es ist ein Abend, an dem sich alles um Aktien dreht. Was auf dem Börsenparkett passiert und welche Änderungen sich aus dem Investmentsteuerreformgesetz 2018 ergeben, bekommen 150 Besucher bei der Jubiläumsveranstaltung des Wasseralfinger Aktienclubs (WAC) im Gutenberg-Kasino der SDZ-Mediengruppe näher gebracht. Der Verein, dem rund 350 Mitglieder angehören, besteht seit 25 Jahren. Aus ihm ist ein Aktienfonds hervorgegangen, der seit 2008 seinen Kurs verdoppelt hat.

In Kooperation mit der Monatszeitung Wirtschaft Regional, die ebenfalls 1992 als Geburtsjahr in den Annalen stehen hat, feiern die WAC-Mitglieder 25 bewegte Jahre. SDZ-Geschäftsführer Dr. Alexander Weinstock spricht deshalb von den Zwillingen WAC und Wirtschaft Regional. Und er hebt die Verflochtenheit zwischen beiden hervor, die nicht nur durch die Mitgliedschaft von Konrad Theiss, Herausgeber der Monatszeitung, beim WAC begründet ist. „Wirtschaft Regional hat den Aktienclub stets im redaktionellen Visier“, sagt Weinstock.

Herbert Fischer, der gemeinsam mit Wolfgang Jäkel und August Schmid die Geschäfte der Vermögensverwaltung Braunenberg (VVB) führt, hat das Vierteljahrhundert des WAC-Bestehens beleuchtet. Der VVB verwaltet den WAC-Aktienfonds. „In der ersten Hälfte der 1990er Jahre haben sich viele Aktienclubs gegründet. Die Jahre zwischen 1997 und 2000 waren durch eine große Euphorie geprägt“, sagt Fischer. Im Zuge der stärkeren Beaufsichtigung des Finanzsektors und dem Einführen der Abgeltungssteuer hätten viele Clubs ihre Bücher wieder geschlossen. Nicht so der WAC: Er gründete die VVB, welche die Finanzdienst-Erlaubnis erhielt und seither den WAC-Fonds managt. „2014 hat es eine weitere Attacke gegen die Aktienclubs gegeben, als es keine Gemeinschaftsdepots mehr geben durfte. Auch das haben wir überstanden“, sagt Fischer.

Hauptredner der Veranstaltung ist jedoch Richard Dittrich. Er leitet seit 2001 an der Börse Stuttgart den Bereich Kundenbetreuung. Die Belange des Privatanlegers hätten für die Börse Stuttgart oberste Priorität. Dittrich, eloquent und das Publikum mit in seinen Vortrag einbeziehend, zeigt den Weg einer Order auf und wagt den Blick ins Orderbuch der Börse. „Sie müssen immer die Taxierung einer Order betrachten. Es wird immer eine Vollausführung einer Order angestrebt. Und: Als Börse haben wir kein Interesse, Aufträge nicht auszuführen. Deshalb gibt es auch die Möglichkeit für Leerverkäufe bei unseren Börsenmaklern.“, erklärt der Mitarbeiter der Stuttgarter Börse.

Dittrich beschreibt, dass es in Stuttgart tatsächlich noch einen Parketthandel mit Maklern gebe. Rund 50 Mitarbeiter seien an Handelstagen auf dem Parkett anwesend. „Wir fahren ein hybrides System aus computergestütztem Handel und aktiv von Händlern entschiedenen Ausführungen“, sagt Dittrich.

2014 gab es eine Attacke auf Aktienclubs.

Herbert Fischer
WAC-Gründungsmitglied

Er stellt den Arbeitsplatz der Händler auf dem Parkett vor. Sechs Bildschirme prangen auf dem Chart. „In Stuttgart werden 1,4 Millionen verschiedene Wertpapiere gehandelt. Die Händler sind auf Informationen angewiesen“, begründet er. Auf die Frage, ob das Orderbucheingesehen werden könne, antwortet er dezidiert: „Nein! Wir verkaufen nicht wie andere Börsenplätze den Blick in unser Orderbuch. Privatanlager haben bei uns dieselben Voraussetzungen wie Banken und institutionelle Anleger. Das ist unser Plus.“ Das sich in den vergangenen Jahren ausgezahlt hat: Die Stuttgarter Börse stieg vom zweitkleinsten zum zweitgrößten Handelsplatz in Deutschland auf.

Neues zur Besteuerung

Nachdem Wirtschaft Regional durchs Präsentieren der Berichterstattung über regionale und börsennotierte Unternehmen wie Varta, SHW und Carl Zeiss Meditec den Bogen zum WAC-Jubiläum wieder gespannt hat, weist Wolfgang Jäkel auf Neuregelungen beim Besteuern von Fondsgewinnen ab 2018 hin. Anhand von eingängigen Beispielen macht er die wesentlichen Einflussfaktoren beim neuen Gesetz transparent. „Es gibt zusammengefasst weniger steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten. Thesaurierende Aktienfonds bieten eine bestmögliches Besteuerungsumfeld. Ich empfehle, Altbestände so lange wie möglich zu halten“, erklärt Jäkel.

Was folgt ist die Ehrung von 13 Gründungsmitgliedern des Wasseralfinger Aktienclubs. Acht von ihnen sind anwesend und erhalten ein Präsent.

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© Wirtschaft Regional 24.10.2017 18:45
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