Fein hat die Metallbranche im Visier

Metalltag Der Elektrowerkzeughersteller Fein stellt sich mit neuem Führungsduo neu auf. Deshalb forcieren die Bargauer die Entwicklung von Innovationen und die Suche nach neuen Märkten.
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    Zum Fein-Metalltag kamen Journalisten, Händler und Partner von Fein aus dem für die Firma wichtigsten DACH-Markt (Deutschland, Österreich und die Schweiz). Fotos: rs
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    Fein-Geschäftsführer Janek Jaspaert (re.) und Michael Fischer

Schwäbisch Gmünd-Bargau

Unter dem neuen Führungsduo Janek Jaspaert und Dr. Michael Fischer will der Elektrowerkzeughersteller Fein seine Strategie ändern. Künftig soll der Bereich der Werkzeuge für die Metallbearbeitung gestärkt werden. „Wir wollen und werden das Engagement dort deutlich ausbauen“, sagte Fischer am Rande des „Metalltages“, den das Unternehmen am Donnerstag am Stammsitz in Bargau veranstaltete. Sein Co-Geschäftsführer Jaspaert fügte hinzu: „Wir investieren in diesem Bereich viel Kapital, weil wir davon überzeugt sind, dass es der richtige Weg ist.“ Bislang erwirtschaftet Fein rund die Hälfte des nicht näher bezifferten Umsatzes in dieser Sparte. „Die Vision ist, in den kommenden Jahren so viel Know-how und Wissen aufzubauen, dass kein Kunde mehr an uns vorbeikommt.“ Fein sieht sich jedoch weiter nicht als Generalist, sondern als „Nischenplayer“, bedeutet: als Spezialist.

Beim Metalltag waren Journalisten, Lieferanten und Händler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Bargau gekommen, um die neusten Produktentwicklungen aus dem Hause Fein zu begutachten. Die neuen Geschäftsführer gaben aber auch Einblick in die neue Strategie und Philosophie des Unternehmens. Fischer und Jaspaert wollen Fein dynamischer aufstellen und damit auf die hohe Agilität des Marktes reagieren. „Eine neue Führungskultur braucht aber Zeit“, betonte Jaspaert, der vor anderthalb Jahren bei Fein in die Geschäftsführung gerückt war. Zuvor war beim Elektrowerkzeughersteller Festool aus Wendlingen tätig. „Fein bleibt jedoch auf jeden Fall auch im Wesen ein Familienunternehmen. Das ist eine der zentralen Stärken, auf die wir bauen“, so Jaspaert weiter. Eine weitere seien „die jungen, hoch motivierten Mitarbeiter, die Fein voranbringen wollen“. Diesen Schwung müsse man nutzen.

Zugleich gaben die beiden Geschäftsführer ein Bekenntnis zum Standort Bargau ab. „Wir halten grundsätzlich an der Philosophie ‘Made in Germany’ fest“, so Fischer, erklärte aber, dass die Internationalisierung der Firma noch nicht abgeschlossen sei. „Fein wird bei allen Investition aber stets die Wirtschaftlichkeit im Blick behalten“, so Jaspaert. „Wir sind kein Konzern, der fünfmal daneben liegen kann, deshalb haben wir unsere Situation genau analysiert.“

Eine neue Führungskultur braucht Zeit.

Janek Jaspaert, Fein-Chef

Auch das Megathema der Digitalisierung greift man bei Fein auf, allerdings mit einer klaren Maßgabe: „Digitale Funktionen müssen einen zusätzlichen Kundennutzen haben und nicht nur Selbstzweck sein“, erläutert Fischer, der seit Februar für Fein arbeitet. Der Onlinehandel, der laut Jaspaert „erst am Anfang steht“, werde auch für die Bargauer immer wichtiger. Fest im Blick hat Fein zudem neue Absatzgebiete. „Der Markt für Metall ist da und damit auch der Markt für Metallwerkzeuge.“ Fischer hat riesige neue Absatzgebiete ausgemacht, vor allem in China habe sein Unternehmen Wachstumschancen.

Die Bargauer wollen vor allem mit Innovationen glänzen. Dafür hat sich das Unternehmen die Hilfe von Hochschulen ins Haus geholt und neue Produktideen generiert, die über das Kerngeschäft der Bargauer deutlich hinausgehen: Eine Drohne, die selbstständig Löcher in schwindelerregender Höhe bohrt; ein Koffer, der den Akku-Bohrschrauber unterwegs auflädt und dem Benutzer mitteilt, wenn ein Teil ausgewechselt werden muss, sind nur zwei der Ideen, die entstanden sind.

Bereits im Frühjahr 2017 startete Fein die Zusammenarbeit mit zwei Hochschulen: der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd und der Hochschule Magdeburg-Stendal. Gemeinsam mit Entwicklern und Produktmanagern der Bargauer entwarfen Studierende der Fachrichtungen Produkt- und Industrial Design „Elektrowerkzeuge der Zukunft“ und entwickelten Akku-Bohrschrauber sowie Winkelschleifer und berücksichtigten dabei Themen wie Internet der Dinge, Drohnen, Roboter und Digitalisierung. „Die Studenten werden bei unseren Projektanfragen mit einem für sie neuen Themenfeld konfrontiert. Sie beginnen damit gedanklich unbelastet und haben bei der Lösungssuche einen hohen Freiheitsgrad“, erläutert Dr. Alfred Schreiber, Bereichsleiter Grundlagenentwicklung bei Fein die Zusammenarbeit mit den Hochschulen.

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© Wirtschaft Regional 19.10.2017 17:24
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