Digitales anschaulich gemacht

Industriedialog Hochschule Aalen greift Thema Künstliche Intelligenz aktiv mit Vortragsreihe auf. Microsoft-Chefin Sabine Bendiek macht den Anfang.
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    Prof. Axel Zimmermann, Sabine Bendiek, Rektor Prof. Gerhard Schneider, Prof. Peter Eichinger sowie Prof. Bernhard Höfig (v.li.) tauschten sich vor vollem Saal vor dem Vortrag aus. Foto: hag

Aalen

An der Hochschule Aalen ist das „Zentrum Industrie 4.0“ geschaffen worden, um alle Aktivitäten dieser Zukunftsthematik zu bündeln. Unterstützt von der Steinbeis-TransferplattformIndustrie 4.0 sollen die Akteure in Ostwürttemberg vernetzt und der Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft intensiviert werden. Die Vortragsreihe Industriedialog ist mit einem Leuchtturm gestartet: Sabine Bendiek, Chefin von rund 3000 Mitarbeitern bei Microsoft Deutschland, sprach vor über 450 Zuhörern zu Künstlicher Intelligenz (KI). „Zwischen Science Fiction und Praxis“ ordnete sie Künstliche Intelligenz ein. Klar war bald: KI muss demokratisiert und zum Wohle Aller genutzt werden.

Rektor Prof. Dr. Gerhard Schneider stellte nicht nur Sabine Bendiek vor, sondern erinnerte bei seiner Einführung an die starken Bemühungen der Hochschule Aalen, die Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Digitalisierung voranzutreiben. Acht neue Studienangebote seien in den vergangenen fünf Jahren bereits geschaffen worden, vier weitere sind in Planung. „Elf neue Professuren zu Themen der Digitalisierung wie beispielsweise zu Datenbanktechnologien sind besetzt worden“, sagte Gerhard Schneider. „Die Schlagworte aus dem Reich der Digitalisierung müssen nun Part für Part beleuchtet werden.“

Sabine Bendiek leistete dazu einen Beitrag. Sie blickte aufs Jahr 1996 zurück, als sie sich „in die Künstliche Intelligenz verliebt“ hatte – damals zu früh, um dieser Schwärmerei nachzugehen. „Heute ist die Zeit durch Big Data und leistungsfähige Algorithmen jedoch reif für die KI“, sagte sie.

Sie brach eine Lanze dafür, Künstliche Intelligenz positiv zu besetzen. KI sei nicht bedrohlich, sie sei mehr als ein neues Werkzeug. „KI ersetzt nicht den Menschen und ist nicht mit einem Roboter gleichzusetzen. Maschinen lernen heutzutage, um Entscheidungen und Prozesse besser zu machen“, erklärte die Microsoft-Chefin. Sie stellte drei Innovationsprinzipien zur KI vor: KI solle zu mehr befähigen, vertrauenswürdig und effizient aufgebaut sein sowie für ein multikulturelles, komplexes und globales Umfeld sorgen. „Maschinen lernen, indem sie von Menschen trainiert werden.“

Garagenprojekt am Start

Ich hatte mich bereits 1996 in die KI verliebt.

Sabine Bendiek
Chefin Microsoft Deutschland

Bei Microsoft habe man Grundlagenforschung und Produktentwicklung zusammen gezogen – weil die Entwicklung von Produkten eng mit neuen Methoden zusammenhänge. Ein Beispiel führte Bendiek an: das Garagenprojekt „Presentator Translator“, das kurz vor der Serienreife stehe. Dabei können Power Point-Präsentationen in andere Sprachen übersetzt werden.

Und Sabine Bendiek zeigte einige Anwendungen für Künstliche Intelligenz. Es gebe Durchbrüche bei der Spracherkennung. Die Word-Error-Rate konnte signifikant gesenkt werden. Ein Einsatzort sei beispielsweise die Orderannahme bei McDonald’s-Restaurants. Im Kampf gegen Epidemien soll KI den Zeitaufwand beim Scannen von DNA um 95 Prozent reduzieren. Und Triebwerkshersteller Rolls-Royce nutze KI, um bei der Wartung von Triebwerken eine intelligente Optimierung hinzubekommen.

Oder das weite Feld der Hologramme: Komplexe Thematiken wie der menschliche Körper könnten dort parallel zu wirklichen Prozessen wie Operationen benutzt werden, um bessere Erfolge zu erzielen.

Bendiek war es wichtig, dass Microsoft mit anderen Anbietern kooperiere. Es gebe keinen Zickenkrieg zwischen Alexa und Cortana. „Die Systeme können kommunizieren und voneinander lernen“, sagte sie.

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© Wirtschaft Regional 11.10.2017 17:46
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