Lindenfarb wechselt den Besitzer

Sanierung in Eigenverwaltung Unterkochener Textilveredler wird von Radial Capital Partners übernommen. Gut 300 Arbeitsplätze bleiben erhalten, ebenso wie die Produktion am Standort Unterkochen.
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    Sanierung mit dem Erhalt von 307 Arbeitsplätzen geglückt: Lindenfarb Textilveredelung in Unterkochen. Foto: Oliver Giers

Aalen-Unterkochen

Das Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung, das bei der Unterkochener Lindenfarb Textilveredelung Julius Probst GmbH seit Dezember 2016 schwelt, neigt sich dem Ende entgegen. Sachwalter Dr. Tibor Braun und Sanierungsexperte Detlef Specovius von der Kanzlei Schultze & Braun haben es geschafft, den seit Anfang März 2017 laufenden Investorenprozess „mit mehreren strategischen Interessenten wie Finanzinvestoren“ nach gut acht Monaten zum Abschluss zu bringen, wie der Sprecher von Schultze & Braun betont. Die Münchner Beteiligungsgesellschaft Radial Capital Partners (RCP) übernimmt den Textilveredler komplett. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Damit kann das Sanierungsverfahren nach Ablauf formaler Fristen noch im Oktober abgeschlossen werden. Lindenfarbs Sanierungsgeschäftsführer Detlef Specovius zeigte sich mit dem Ergebnis der Abstimmung der Gläubiger am 9. Oktober über den von ihm und seinem Team erarbeiteten Insolvenzplan zufrieden. Am Dienstag wurde die Belegschaft in einer Versammlung über den Verkauf informiert. „Das Verfahren ist aus meiner Sicht hervorragend gelaufen und ein positives Beispiel dafür, was mit einem Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung erreicht werden kann. Wir haben die Schwachstellen im Unternehmen eingehend analysiert und eine ganze Reihe von Maßnahmen ergriffen, um das Unternehmen nun gesund aufzustellen“, sagte Specovius.

Beim Übergang an RCP sind 307 Mitarbeiter bei Lindenfarb an Bord, nachdem während des Sanierungsverfahrens ein Schnitt bei der Belegschaft vorgenommen wurde. Im März 2017 war 38 Mitarbeitern von ursprünglich 377 Mitarbeitern betriebsbedingt gekündigt worden, einige Beschäftigte hatten sich andere Arbeitsstellen gesucht.

Zu den beseitigten Schwachstellen gehörten laut Specovius unter anderem der Abbau von Lieferrückständen, die Optimierung der innerbetrieblichen Organisation, ein Stärken des Vertriebs sowie Preisanpassungen. „Mit diesem Bündel von Maßnahmen ist es gelungen, den Umsatz sogar während der laufenden Sanierung auszubauen und Vertrauen bei den Kunden wieder aufzubauen. Notwendige Personalanpassungen konnten gering gehalten werden“, sagt Specovius.

Hohe Gläubigerquote erreicht

Wir haben Schwachstellen beseitigt.

Detlef Specovius
Geschäftsführer bei Lindenfarb

Auch die Gläubiger hätten Lindenfarb während der Restrukturierung vorbildlich unterstützt. „Dafür werden sie mit einer deutlich überdurchschnittlichen Quote belohnt.“ Wie hoch diese ist, unterliegt der Geheimhaltung. Dem Vernehmen nach soll sie sich im mittleren zweistelligen Prozentbereich bewegen, Durchschnitt ist lediglich bei rund drei Prozent.

Der neue und einzige Gesellschafter bei Lindenfarb ist nach Abschluss der Formalien also die Münchner Radial Capital Partners (RCP) der beiden Gesellschafter Ulrich Radlmayr und Andreas Mayr. RCP wurde Ende 2014 von den beiden langjährig erfahrenen Private-Equity-Managern als unabhängige Beteiligungsgesellschaft gegründet. Radial Capital Partners beteiligt sich branchenübergreifend und mehrheitlich an Konzerngesellschaften und mittelständischen Unternehmen in Sonder- und Umbruchsituationen mit Jahresumsätzen zwischen 10 und 250 Millionen Euro. Zu den Engagements von RCP gehören bislang drei Firmen: Seit Dezember 2014 die Kissinger Van der Molen, seit April 2016 die Bamberger Oekatech und seit ebenfalls April 2016 die Lenninger Papierfabrik Scheufelen. Insgesamt sind derzeit in den drei Unternehmen rund 500 Mitarbeiter beschäftigt. Umsatzerlöse von über 100 Millionen Euro fallen dabei an. Lindenfarb wird diese Zahlen weiter nach oben schrauben.

Kernelement des Engagements von RCP sei neben der Bereitstellung von Kapital auch die operative Begleitung und Entwicklung der Gruppenunternehmen. Das Team von Radial Capital Partners verfüge über umfangreiche und langjährige Investment- und Managementerfahrung aus zahlreichen Unternehmenstransaktionen und Restrukturierungsprojekten, heißt es in der Pressemitteilung dazu.

Lindenfarb ist Europas größter unabhängiger Textillohnveredeler und Marktführer für Maschenware. Das Unternehmen veredelt vorwiegend Technische Textilien wie Stoffe für Dachhimmel von Automobilen, aber auch Heim- und Bekleidungstextilien. Lindenfarb erwirtschaftet einen Jahresumsatz von mehr als 30 Millionen Euro.

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© Wirtschaft Regional 10.10.2017 19:56
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