Leicht: Megainvest in Gmünd

Der Küchenhersteller aus Waldstetten will für 40 Millionen Euro eine 40 000 Quadratmeter große Montagehalle im Gewerbepark „Gügling“ bauen.
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    Hier will Leicht eine neue Montagehalle bauen
 

Am Freitag besprach Stefan Waldenmaier auf dem Gmünder Rathaus mit Gerhard Hackner, dem Leiter des Liegenschaftsamtes, und mit dem Wirtschaftsbeauftragten Alexander Groll die Details einer bemerkenswerten Gewerbeansiedlung: Die Leicht Küchen AG will acht Hektar im Gewerbepark „Gügling-Nord“ kaufen und dort eine 40 000 Quadratmeter große Montagehalle erstellen. Baubeginn des Projekts, für das 40 Millionen Euro veranschlagt sind, soll im Sommer 2018 sein. Nachdem die Stadt alle nötigen Parzellen erworben hat, kann der Prozess für einen Kaufvertrag und zur Erteilung der Baugenehmigung anlaufen. Der Bettringer Ortschaftsrat wird am Montag informiert, dann steht das Vorhaben auf der Agenda des Gemeinderats.

„Wir hoffen, bald Vollzug melden zu können“, erklärte Groll, der die Investition als „großartiges Bekenntnis zu unserem Wirtschaftsstandort“ bewertet. Für Waldstetten ist die Entscheidung auf den ersten Blick zwar schmerzhaft, tatsächlich sichert sie aber Arbeitsplätze vor Ort – denn: „Nur die Montage geht nach Gmünd, Firmenzentrale und Fertigung bleiben in Waldstetten,“ versichert Waldenmaier. Wie viele der aktuell 608 Beschäftigten künftig auf dem Gügling arbeiten und wie viele neue Stellen geschaffen werden, sei offen.

Dass Leicht sich zu dieser Mega-Investition für Gmünd entschieden hat, ist keine Selbstverständlichkeit. Es gab lukrative Angebote in Autobahnnähe. Ursprünglich wollte Leicht die Montaghalle direkt bei der Produktion in Waldstetten bauen. „Aber wir konnten bei bestem Willen kein so großes Gelände anbieten“, bedauert Michael Rembold. Der Waldstetter Bürgermeister suchte vergeblich nach Lösungen: „Eine benachbarte Baufirma braucht das Gelände selbst.“ Rembold ist aber froh, „dass unser größter Steuerzahler in der Nähe bleibt, denn wenn Leicht in Gmünd montiert, sind auch die Arbeitsplätze hier gesichert“.

Die Umsatzentwicklung von Leicht seit 2002 (67 Millionen Euro) ist mit dem Einstieg von Stefan Waldenmaier als CEO verbunden. 2016 lagen die Erlöse schon bei 124 Millionen Euro, 2017 peilt Leicht 140 Millionen. Deshalb war die Investitionsfreigabe des Aufsichtsrats der Welle-Holding, zu der Leicht seit 1975 gehört, konsequent.

Die Erfolgsparameter: „Produkt, Service, Marke – über die Küche hinaus Planungsideen für den gesamten Wohnraum zu entwickeln“, erläutert Waldenmaier. Das breite Produktportfolio und das dynamisches Wachstum bringe Leicht unter einen Hut, „weil wir in der Produktion klare und effiziente Strukturen aufgebaut haben“, betont Waldenmaier und weist auf Investitionen von weit über 30 Millionen Euro seit 2014 in moderne Maschinen und Anlagen in Waldstetten hin: „Die Digitalisierung ist bei uns Realität, wir sind komplett SAP-gesteuert“.

Ein wichtigen Beitrag zum Aufwärtstrend liefere die 2014 eröffnete „Leicht-Welt“. Dieses Ausstellungs- und Schulungshaus sei stark frequentierter Treffpunkt für Kunden, Fachhändler, Architekten und Planer aus über 50 Ländern, in die Leicht liefert. Waldenmaier setzt „auf unsere hohe Fertigungstiefe und auf unsere Mitarbeiter“. Deren Qualität, Erfahrung und Zuverlässigkeit waren deshalb entscheidendes Kriterien zur Entscheidung, die neue Montagehalle auf dem Gügling in Gmünd zu bauen.

Leicht-Historie: 1928 gründeten die Brüder Alois und Josef Leicht in Schwäbisch Gmünd in der „Hahnenbrauerei“ das Unternehmen als „mechanische Schreinerei“. 1934 übernahmen sie in Waldstetten ein Sägewerk. In den 1940er-Jahren entwickelte Leicht die erste Anbauküche. 1973 erfolgte der Verkauf an die Familie Welle in Paderborn.

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© Wirtschaft Regional 09.10.2017 11:56
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