Kemmer Präzision feiert Neubau

Investition Auch dank indischer Gesellschafter entwickelt sich der traditionsreiche Präzisionswerkzeugbauer seit Jahren gut. Der neue Stammsitz in Schwäbisch Gmünd wurde nun offiziell eröffnet.
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    Von links: Gregor Dutkiewicz, Thilo Mayländer, Ramesh Agarwal, Gokul Agarwalla, Alexander Groll, Vishal Agarwal. Foto: Tom

Schwäbisch Gmünd

Bereits zum Jahreswechsel war der Gmünder Präzisionswerkzeughersteller Kemmer in seinen neuen Standort im Gewerbegebiet Gügling umgezogen. Am Freitag wurde der Neubau gebührend gefeiert – mit zum Teil weit gereisten Gästen: Auch die indische Unternehmerfamilie Agarwal, denen Kemmer Präzision gehört, ließ es sich nicht nehmen, nach Deutschland zu kommen. Der Neubau hat auch für ihre Firmengruppe CTC (India) Pvt. Ltd. große Bedeutung.

„Für uns ist es ein Tag der Freude“, sagte CTC-Gesellschafter Ramesh Agarwal. „Wir danken allen Partnern, die zum einen die schöne Entwicklung von Kemmer aber auch diesen Neubau möglich gemacht haben.“ Das Unternehmen, das unter anderem Präzisionswerkzeuge für die Leiterplattenbranche herstellt, bewege sich in einem schwierigen Markt, man habe sich aber bewusst entschieden, in Kemmer zu investieren und den Neubau zu realisieren.

Das Gmünder Traditionsunternehmen hat nämlich unter der Flagge von CTC längst andere Branchen wie etwa die Nagel- und Fußpflege erschlossen. Deren Firmen setzen nun auch auf Werkzeuge aus Gmünd. Gokul Agarwalla sagte: „Der Neubau ist ein Bekenntnis zu Kemmer, zum Standort Schwäbisch Gmünd und auch zum deutschen und dem europäischen Markt.“ Die neue Fabrik wirke sich bereits spürbar positiv auf die Entwicklung von Kemmer aus: Seit Januar seien die Verkäufe um 17 Prozent gestiegen, so Agarwalla, der auch der Stadt für die Zusammenarbeit dankte.

Deren Wirtschaftsförderer Alexander Groll sagte: „Wir freuen uns darüber, dass sich internationale Investoren zum Standort Gmünd bekennen. Auf dem Gügling ist nun ein weiteres tolles, neues Gebäude entstanden.“ Der Neubau von Kemmer sei auch für die Entwicklung des Gewerbegebiets, das eines der größten in der gesamten Region ist, „ein wichtiger Schritt“.

Seit 2010 gehört Kemmer der indischen CTC

Der Neubau ist ein Bekenntnis zu Kemmer.

Gokul Agarwalla
Indischer Unternehmer

Am neuen Standort arbeiten 30 Mitarbeiter an hochpräzisen Werkzeugen, die vorrangig in der Leiterplattenindustrie zum Einsatz kommen. Der frühere Standort neben der Barmer GEK war nicht mehr zukunftsfähig. „Wir wollten ein neues Gebäude, das optimal auf unsere Bedürfnisse und das neu eingeführte Energiemanagementsystem gemäß ISO 50001 zugeschnitten ist“, erklärte Betriebsleiter Gregor Dutkiewicz, Zusätzlich erwartet er Einsparpotenziale, sowohl im Energiebereich als auch in der effizienteren Fertigung. „Samt PV-Anlage und Wärmepumpen erfüllt das neue Gebäude den KfW-55-Standard, was für ein Industriegebäude nicht alltäglich ist. Besonders unseren indischen Gesellschaftern ist die Nachhaltigkeit des Neubaus ein wichtiges Anliegen.“

Seit 2010 gehört Kemmer zur CTC (India) Pvt. Ltd., die das Unternehmen damals in einer schwierigen Situation übernommen hatten und seither für die kontinuierliche Weiterentwicklung sorgen, wie Dutkiewicz erklärt. Dabei ist der Name Kemmer seit vielen Jahren international bekannt.

In den 1960ern arbeitet Kemmer für den IBM-Konzern

Groß geworden sind die Gmünder mit Werkzeugen für die Leiterplattenindustrie. Das Unternehmen wurde 1954 von Paul Kemmer gegründet. Bald wurde der US-Konzern IBM auf die Gmünder aufmerksam. Das aufstrebende IT-Unternehmen beauftragt in den 1960er-Jahren Kemmer damit, Werkzeuge für die Bearbeitung der PCBs (Printed Circuit Board, engl. für Leiterplatte) für die europäischen und deutschen Fabriken zu entwickeln und zu fertigen. Über viele Jahre hinweg ist das Wachstum in der Leiterplattenbranche ungebremst.

Mittlerweile steht dieser Leiterplattenmarkt aber unter erheblichen Druck, bedingt durch die Verlagerung der Herstellung der Leiterplattenproduktion und das Fertigen der Platinen fast ausschließlich im asiatischen Raum. Nur in wenigen Nischen können sich europäische Hersteller dem Preisdruck entziehen. Auch Kemmer Präzision hat reagiert und geht deshalb mit Werkzeugen für Nagel- und Fußpflege, Dental und Metallbearbeitung auf neuen Wegen in die Zukunft. Die Werkzeuge, die Kemmer entwickelt, finden weltweit Anwendung in der Elektronikindustrie, Metallbearbeitung, in Dentallabors sowie in der Nagel- und Fußpflege. Die Nachfrage nach den hochwertigen „Schönheitswerkzeugen“ ist immens. „Wir haben eine Nische gefunden, die uns viel Freude macht“, so Dutkiewicz.

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© Wirtschaft Regional 29.09.2017 14:27
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