Börse: Varta nimmt erneut Anlauf

Börsengang Der Batterienspezialist Varta will beim zweiten Versuch den Sprung an die Börse schaffen. Mit dem frischen Kapital sollen die Fabriken in Ellwangen und Nördlingen massiv ausgebaut werden.
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    CEO Herbert Schein
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    Blendende Aussichten? Die Varta AG aus Ellwangen will an die Börse und mit dem erlösten Geld weiter wachsen. Hier der Blick auf den Standort in Nördlingen. Fotos: Varta AG

Ellwangen

Was im Dezember vergangenen Jahres nicht geklappt hat, soll nun gelingen: Der Batterienhersteller Varta wagt erneut einen Anlauf und will an die Börse. Mit dem Sprung aufs Parkett will die aktuell nicht börsennotierte AG, die zur Montana Tech Components (MTC) des österreichischen Investors Michael Tojner gehört, rund 150 Millionen Euro erlösen. Der Großteil dafür wollen die Ellwanger in den Ausbau der Produktion investieren, etwa am Stammsitz sowie am Standort in Nördlingen. Vorstandschef Herbert Schein ist sicher, dass es dieses Mal klappt, denn die Aussichten für die traditionsreiche Varta AG, seien weiter sehr gut – und besser als noch im Dezember.

Die Nachfrage nach kleinen Batterien für Hörgeräte steigt stetig, hinzu kommt der Boom der von Varta gefertigten Lithium-Ionen-Batterien, die etwa in kabellosen Kopfhörern und weiteren Kleinst-Elektro-Geräten zum Einsatz kommen. „Wir profitieren vom technologischen Fortschritt“, sagt Schein. Dieser sorge für eine große Nachfrage nach kleinen Batterien mit hoher Energiedichte und hoher Zuverlässigkeit. „Dafür sind wir weltweit technologisch führend und treffen mit unseren Lithium-Ionen-Batterien den Nerv der Zeit,“ so der Varta-Chef weiter.

Die Nachfrage nach Varta-Produkten wachse massiv, sodass das Unternehmen die Produktionskapazitäten „erheblich“ ausbauen müsse. 80 Millionen Euro wollen die Ellwanger in die Produktion der Lithium-Ionen-Batterien investieren, 30 Millionen Euro sind für eine neue Produktionslinie für Hörgerätebatterien vorgesehen. Weitere 20 Millionen Euro sollen im Segment Power & Energy investiert werden. Hier denkt Varta auch über einen Zukauf nach.

Der erste Versuch, das Unternehmen an die Börse zu bringen, war im Dezember gescheitert. Damals sollte Varta auf einen Börsenwert von 400 bis 500 Millionen Euro kommen. Allerdings bliesen Tojner und Varta den Börsengang ab – offiziell wegen der Verunsicherung an den Märkten nach dem Wahlsieg von Donald Trump. Inoffiziell dürfte das Interesse der Investoren schlicht zu gering gewesen sein. Genau jenes Interesse soll nun mit neuen Rekordzahlen und -aussichten angefacht werden.

Wir wollen das Momentum nutzen.

Herbert Schein, Varta-Chef

„Heuer werden wir uns mit einem Börsengang leichter tun. Im ersten Halbjahr 2017 haben wir das operative Ergebnis (Adjusted Ebit) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von zehn auf 19 Millionen Euro fast verdoppelt“, erklärt Finanzchef Dr. Michael Pistauer im Gespräch mit dieser Zeitung. 2016 hatte Varta einen Umsatz von 214 Millionen Euro erwirtschaftet und dabei einen operativen Gewinn von etwa 20 Millionen Euro erzielt. Die Umsätze sind im Zeitraum 2014 bis 2016 im Durchschnitt um rund 12,5 Prozent pro Jahr gestiegen. Die bereinigte Ebitda-Marge lag in dieser Zeit kontinuierlich auf hohem Niveau, im Jahr 2016 bei rund zwölf Prozent. „Wir sind in attraktiven Märkten vorne mit dabei“, sagt Pistauer. „Auf dem Rekordergebnis wollen wir uns nicht ausruhen, sondern durch gezielte Investitionen sowohl unser Wachstum beschleunigen als auch beim Ergebnis zulegen.“ Vor allem die sogenannten In-Ear-Kopfhörer (also Ohrstöpsel) seien aktuell bei Mobiltelefon-Nutzern der Renner. Auch die Nachfrage nach Hörgeräten nimmt stetig zu. Ein Trend, der sich dank des demografischen Effekts (die Gesellschaft wird immer älter) wohl auch nicht so schnell umkehren wird. Zudem, so Schein, sei der Markt „unterpenetriert“, heißt: Aktuell tragen nur 20 Prozent der Menschen, die ein Hörgerät brauchen, tatsächlich eines.

MTC behält Mehrheit

Der bisherige Alleineigentümer MTC will indes auch nach dem Börsengang Mehrheitseigner bleiben. „Das Management der Varta AG hat in den vergangenen Jahren exzellente Arbeit geleistet. Sie haben das Unternehmen an die Spitze des Marktes für Hörgerätebatterien geführt und zukunftsträchtige Produkte für ein starkes zukünftiges Wachstum positioniert.“ erklärte Dr. Michael Tojner, CEO und Mehrheitseigentümer von MTC. Schein fügt hinzu: „Mit den Mitteln aus dem geplanten Börsengang wollen wir hier nochmals deutlich zulegen. Wir wollen das Momentum nutzen, um unser Wachstum zu beschleunigen und nachhaltig vom großen Marktpotenzial zu profitieren.“

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© Wirtschaft Regional 27.09.2017 16:57
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