Wachsen durch Strukturwandel

Kapitalmarkt Die Deutsche Bank bietet ihren Kunden auf Schloss Kapfenburg einen Ausblick auf weltweite Entwicklungen an den Finanzmärkten.
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    Andreas Torner, Dr. Ulrich Stephan, Simone Moser, Eric Siber und Kai-Uwe Braum (v.li.) standen bei der Kundenveranstaltung auf Schloss Kapfenburg für Gespräche mit den Gästen bereit. Foto: sk

Lauchheim-Hülen

Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, versteht es, seine Zuhörer für finanzielle Belange zu begeistern. Rund 140 Zuhörer lauschen seinen Ausführungen auf Schloss Kapfenburg. Stephan führt sie in die Tiefen des grundsätzlichen Wirtschaftsgeschehens, ehe er einen Überblick zur konjunkturelle Lage der wichtigsten Weltmärkte USA, China und die europäischen Länder gibt.

Am Ende seines frei gehaltenen Vortrags bildet er eine Momentaufnahme der Kapitalmärkte ab. Aktien und Unternehmensanleihen gehören unterem anderem zu seinen Favoriten. Ohne explizite Kaufempfehlungen zu geben, äußert sich der Chefanlage-Stratege des größten deutschen Geldhauses konkret. „In Deutschland werden dieses Jahr nach Schätzungen wieder mehr als 300.000 Wohnungen fertiggestellt – das reicht aber nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen, denn laut Bundesregierung müssten mindestens 350.000 Wohnungen gebaut werden. Gleichzeitig stößt das Baugewerbe an seine Kapazitätsgrenzen. Somit sollte das Immobilienangebot knapp bleiben und die Preise weiter anziehen“, sagt Stephan dezidiert. Und er ist überzeugt: „Ein Auto besteht aus mehr als einem Navigationsgerät.“

In seiner Funktion verantwortet Stephan seit 2010 nicht nur die Marktanalyse und Anlagestrategie, sondern ist damit Verwalter von rund 4,5 Milliarden Euro Kundengeldern, die in Fonds des Instituts angelegt sind. Im Vorgespräch zeigt er sich begeistert von der wirtschaftlichen Entwicklung in China. Der private Sektor entwickle sich dort rasant, die Marktkapitalisierung der Privatunternehmen bewege sich deutlich über den Dimensionen deutscher Unternehmen und die Dynamik der Entwicklung sei unfassbar hoch. „China muss die Balance zwischen Wachstum, Kreditvergabe und dem notwendigen Strukturwandel halten. Wenn es diesen Balanceakt schaffen sollte, ist das Land ein interessanter Markt“, urteilt Stephan – und erzählt begeistert weitere Anekdoten seiner Reisen nach China.

Ein Auto besteht aus mehr als einem Navi.

Dr. Ulrich Stephan
Chefanlagestratege Deutsche Bank

Ärgerliche Fehlentscheidungen

Und er bekennt, dass ihn Fehlentscheidungen beim Investieren wurmen. „Das richtige Timing zu verpassen oder falsch zu investieren, ist ärgerlich. Zur Vertrauensbildung gegenüber den Kunden gehört aber, dass man sich in solchen Situationen nicht wegduckt“, sagt er. Und verweist auf seinen täglichen Newsletter „Perspektiven am Morgen“, mit dem er Relevanz erzeugen möchte und „einen Mehrwert für die Abonnenten schafft“. Stephan: „Mit einigen Lesern pflege ich geradezu Brieffreundschaften.“

In seinem Vortrag stellt Stephan die Entwicklung des Potenzialwachstums dar, um das sich die konjunkturellen Schwankungen bewegten. Seit der Finanzkrise habe sich das Potenzialwachstum halbiert und sich die Produktivität langsamer entwickelt. „Es bedarf struktureller Maßnahmen, um das Potenzialwachstum zu heben. Der Schlüssel zu nachhaltigem Wachstum ist die Steigerung der Produktivität. Ich gehe davon aus, dass die Digitalisierung in einigen Unternehmen zu Produktivitätssteigerungen führen wird und damit insgesamt einen strukturellen Wandel anschiebt“, sagt der Chefanlage-Stratege.

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© Wirtschaft Regional 21.09.2017 20:08
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