Bei SHW CT läuft es trotz Insolvenz gut

Im Werk Königsbronn wird größte Papierkalanderwalze seit acht Jahren gegossen. Die Auftragsbücher sind voll.

Bei der SHW Casting Technologies GmbH & Co. KG fand am Freitagmittag ein besonderer Höhepunkt statt. Das Unternehmen goss 100 Tonnen Flüssig-Eisen bei einer Temperatur von 1350 Grad in eine Gussform, um einen über 10 Meter langen Walzenkörper herzustellen. Ein Abguss von 105 Tonnen in der 13 Meter tiefen Gießgrube fand zuletzt vor rund acht Jahren im Werk in Königsbronn statt.

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    Die Vorbereitungen zum Abguss einer riesigen Papierkalanderwalze sind am Freitagmittag bei SHW CT in Königsbronn auf Hochtouren gelaufen. Foto: sk
Königsbronn. Das Verfahren wurde mit einem neuen patentierten Material namens CDI (Chilled Ductile Iron) durchgeführt. Die Werkstoffentwicklung erfolgte bei der SHW CT. Die Rohwalze hat nach dem Guss eine Länge von etwa 12 Metern und ein Gewicht von 100 Tonnen. Das Erkalten dauert etwa zwei Wochen, anschließend wird die Walze geputzt, bearbeitet und verschiedenen Prüfungen unterzogen. Bis sie einsatzfähig beim Kunden ist, werden insgesamt 650 Einzelteile in der Walze verbaut. Das Auslieferungsgewicht der Walze wird nach allen Bearbeitungsschritten etwa 66 Tonnen betragen bei einer Körperlänge von 10.150 Millimetern und einem Außendurchmesser von 1425 Millimetern. Die Oberflächenhärte liegt bei 550 bis 580 HV (Vickershärte). Die fertige Walze kommt bei einem Kunden in der Schweiz zum Einsatz und wird 2000 Meter Papier pro Minute herstellen. Eine Walze hat eine durchschnittliche Lebensdauer von etwa 20 bis 30 Jahren.

Die SHW Casting Technologies ist weltweit Marktführer bei der Herstellung von Papierkalandern. Walzen dieser Größenordnung können weltweit allerdings nur zwei Unternehmen herstellen. Und dazu zählt der Traditionsbetrieb, der seit Ende Juli in einem Eigenverwaltungsverfahren nach Insolvenzantragstellung geführt wird.

Marcus Katholing von der Pluta Management GmbH ist Sanierungsgeschäftsführer bei SHW CT. Der Restrukturierungsexperte sagt: „Das SHW-Team ist hoch motiviert. Wir sind im Papierbereich derzeit voll ausgelastet und planen schon für 2018. Aber auch in den anderen Bereichen laufen unsere Geschäfte sehr gut. Wir haben volle Auftragsbücher. Das sind beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Sanierung. Die Kunden halten uns die Treue.“

Vorläufiger Sachwalter im Verfahren ist Prof. Dr. Martin Hörmann von anchor Rechtsanwälte. Er begleitet und überwacht die Eigenverwaltung. Im Pluta-Sanierungsteam für die SHW Casting Technologies Gruppe arbeiten unter Leitung von Michael Pluta neben Marcus Katholing auch Dr. Matthias Lehr, Andreas Hummel und Simon Eickmann.    Sascha Kurz

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© Wirtschaft Regional 11.08.2017 13:57
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