Ministerin hört Belange der Industrie

Besuch Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut stattet Ostwürttemberg einen Besuch ab. Bei Zeiss, Voith und der IHK wird über Innovationsführerschaft und Digitalisierung gesprochen.
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    Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut (2.v.li.) trat mit IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle (li.) und OB Bernhard Ilg und IHK-Präsident Carl Trinkl (v.re.) in einen Dialog ein. Foto: Sascha Kurz

Heidenheim/Oberkochen

Sie arbeitet sich durch die Themenfelder ihres breit angelegten Ministeriums. Und ihr eilt der Ruf voraus, dass sie Wirtschaft versteht. So sieht IHK-Präsident Carl Trinkl die Wirtschaftsministerin des Landes, Nicole Hoffmeister-Kraut. Sie hatte an diesem Mittwoch einen kompletten Ostwürttemberg-Tag eingelegt. Besucht hat die Ministerin die IHK, den Optik- und Technologiekonzern Zeiss, den Maschinen- und Anlagenbauer Voith sowie die Stadtbibliothek in Heidenheim und den Archäopark im Lonetal bei Gerstetten.

Dass Nicole Hoffmeister-Kraut Dinge vorantreiben und Wirtschaftsförderung angehen will, hat sie tags zuvor gemeinsam mit dem Technologiebeauftragten Wilhelm Bauer klargestellt. Dabei wurde über das Fördern von Innovationen gesprochen und erste Gelder in Aussicht gestellt. Die Region Ostwürttemberg soll auch davon profitieren: Ein so genanntes Pop-up-Innovationslabor soll in der Region angesiedelt werden. „Dabei sollen Firmen zeitlich begrenzte Lern- und Experimentierräume bekommen, um im engen Schulterschluss mit Institutionen wie der IHK, Hochschulen, Forschungseinrichtungen oder anderen Trägern von Bildung und Wissenschaft Innovationen zu erarbeiten“, sagt Carl Trinkl auf Nachfrage.

Diese Pläne konnten in der Kürze der Zeit beim Besuch der Ministerin nicht konkretisiert werden. Trinkl: „Wir werden dieses und andere Themen in der IHK-Vollversammlung am 14. September aufgreifen und gebündelt ans Wirtschaftsministerium übermitteln.“

Die gut 20-minütige Rede der Ministerin vor Mitgliedern der IHK-Vollversammlung sowie der ebenso lange Austausch mit dem IHK-Präsidium und Heidenheims OB Bernhard Ilg blieben unkonkret. Im Mittelpunkt stand das Klinkenputzen beim Mittelstand in der Region. „Im ländlichen Raum finden sich hier in Ostwürttemberg Weltmarktführer, die in der Tradition eines Schlossers Johann Matthäus Voith oder einer Margarete Steiff stehen. Wir wollen durchs Stärken dieser Firmen sowie der mittelständischen Struktur diese Räume attraktiver machen – auch wenn der Trend zur Urbanisierung geht“, sagt Hoffmeister-Kraut.

Die Innovationspolitik soll im anstehenden Transformationsprozess der Wirtschaft angesichts einer wachsenden Digitalisierung ein Schwerpunkt ihres Handelns sein, betont sie weiter. Das Land müsse aufpassen, dass es bei der Kommerzialisierung des Internets nicht abgehängt werde. „Deshalb haben wir die Gelder für den Ausbau der Breitbandinfrastruktur auf eine Milliarde Euro ausgeweitet. Wir werden keinen Antrag auf Förderung ablehnen“, verspricht die Ministerin.

Mut, Pioniergeist und das „Macher-Gen“ müssten bewahrt werden. Deshalb sei die Förderung einer Gründerkultur wichtig. „Wir haben über die Initiative Start-up-Region Ostwürttemberg gesprochen“, betont Trinkl. Beispielsweise sei das Bereitstellen von Venture Capital angerissen worden. „Wir müssen in unserer Initiative anhand konkreter Fälle beweisen, dass sowas auch regional funktioniert“, betont Trinkl.

Und die Ministerin greift das Thema in großer Runde auf. „Die Industrie muss gut in den Start-up-Szenen vernetzt sein. Wissen aus verschiedenen Kooperationsformen zwischen etablierten Unternehmen und Start-ups muss noch besser verwertet und in Produkte und Dienstleistungen umgemünzt werden“, sagt Hoffmeister-Kraut. Die Chancen dazu stünden gut: Im Land gebe es mit einem Anteil von 4,8 Prozent der Wertschöpfung ein hohes Maß an Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen bei Firmen und öffentlicher Hand.

Die Forschungs-, Hochschul- und Weiterbildungslandschaft der Region ist wichtiger Bestandteil einer innovativen Region. Hoffmeister-Kraut spricht deshalb die Leistungsfähigkeit der Hochschule Aalen, des Forschungsinstituts Edelmetalle und Metallchemie (fem) in Gmünd, die Lernfabriken an den Berufsschulen und das IHK-Bildungszentrum in Aalen an. Voith-Chef Dr. Hubert Lienhard wies auf die Wichtigkeit des Ausbaus der Dualen Hochschule in Heidenheim hin, für die Voith zwölf Millionen Euro bereitstellt.

Besuche bei Zeiss und Voith

Zuvor hatte die Ministerin in Oberkochen die Carl Zeiss AG besucht. Im Zeiss Forum sowie dem Zeiss-Museum wurde ihr von Dr. Karl Lamprecht, Leiter des Zeiss-Unternehmensbereichs Semiconductor Manufacturing Technology sowie Kommunikationschef Jörg Nitschke die Technologieführerschaft des Unternehmens im Dialog nahegebracht.

Nach dem IHK-Abstecher ging es zu Voith. Im Gästehaus Eisenhof standen die Digitalisierung und Innovationen im Fokus. Dr. Roland Münch, Mitglied der Geschäftsführung und Chef des Bereichs Voith Digital Solutions, präsentierte die Automatisierungs- und Digitalisierungsaktivitäten des Konzerns. Die Ministerin besuchte zudem die Brunnenmühle, das Forschungszentrum für Wasserturbinen.

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© Wirtschaft Regional 09.08.2017 18:11
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