„Der Euro hat keine Chance mehr!“

Finanzen Marc Friedrich und Matthias Weik fordern in ihrem Buch das Grundeinkommen. Was die Digitalisierung damit zu tun hat und warum die nächste Finanzkrise bevorsteht, erklären sie im Gespräch.
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    Marc Friedrich, Götz Werner, Matthias Weik (v.l.) Foto: Sander Pitl

Lorch

Sie gelten als streitbare Querdenker, die dem aktuellen Finanzsystem den Kampf angesagt haben. Matthias Weik und Marc Friedrich, die in Lorch und Stuttgart als Berater arbeiten, haben bereits drei Bestseller gelandet. Für ihr neustes Werk haben sie sich mit dm-Gründer Götz Werner zusammengetan. Warum sie wie er für ein bedingungsloses Grundeinkommen eintreten, wie das finanziert werden soll und warum auch in Deutschland eine Immobilienblase heranwächst, erklären sie im Interview.

Für Ihr neues Buch haben Sie sich mit Götz Werner prominente Unterstützung geholt. Wie er plädieren Sie für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Warum?

Marc Friedrich: Unser System ist nicht zukunftsfähig, teuer, kompliziert und menschenunwürdig. Jeder Mensch hat das Recht bescheiden, aber menschenwürdig zu leben. Dafür braucht er Geld. Dass Arbeit und Einkommen verkoppelt sind, funktioniert nicht mehr. Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist ein Auftrag der Gemeinschaft an den Einzelnen, sich mit seinen Fähigkeiten einzubringen.
Matthias Weik: Durch die digitale Industrialisierung wird sich unsere Arbeitswelt komplett wandeln. Diese wird heftigere Auswirkungen auf unser Leben haben, als die Industrialisierung vor 250 Jahren. Ein gigantischer Tsunami rollt auf uns zu: das Ersetzen menschlicher Arbeit durch Maschinen und Computerprogramme. Im Zuge der Industrie 4.0 und der Digitalisierung werden so viele Jobs wegfallen, dass es ohne Grundeinkommen keine andere Lösung gibt. Die UN und die Weltbank gehen von 50 bis 75 Prozent aller Arbeitsplätze aus, die obsolet werden. Ohne BGE ist die digitale Welt nicht möglich.

Wie soll das Grundeinkommen überhaupt finanziert werden? Eine massive Mehrwertsteuererhöhung würde den Sinn torpedieren, die Preise explodieren lassen?

Weik: Weder dies, noch geht das BGE bei den nicht so wohl betuchten Schichten für die nun viel höheren Steuern auf Konsum drauf, wenn nur der Konsum besteuert wird. Wir begründen im Buch ausführlich, warum alle Steuern ohne Ausnahme in den Preisen von Waren und Dienstleistungen eingepreist sind. Gibt es nur noch eine Konsumsteuer, wandern die Steuern auf Einkommen und Unternehmensgewinne, Substanzsteuern sowie sämtliche heutigen indirekten Steuern aus den Preisen heraus. Dafür kann die Konsumsteuer – schrittweise – ansteigen. Von kurzfristigen Sondereffekten abgesehen, wäre das bezüglich der Preise neutral. Wer etwas anderes behauptet, der muss bestreiten, dass es auf freien Märkten Preiswettbewerb gibt– die kühnste These von allen.

Sie gelten als scharfe Kritiker des Turbo-Kapitalismus, prophezeien seit Jahren, dass es zum Crash kommt. Wann ist es denn soweit?

Friedrich: Das Zeitfenster wird immer kleiner. Wir sind auf dem besten Weg dahin und zwar mit Vollgas. Seit Jahren geben Notenbanken und Politik jeden Tag mehr Gas und haben sich parallel abgeschnallt und den Airbag ausgeschaltet. Wir sind mittendrin im Crash: Trump, Brexit, Nullzinsphase. 1,66 Billionen Euro, die die EZB in ein nachweislich unwirksames Auflaufprogramm gesteckt hat und damit Insolvenzverschleppung betreibt. Griechenland, Italien, Spanien sind nach wie vor pleite. Der Euro in seiner jetzigen Form wird in drei bis fünf Jahren passé sein.
Weik: Wir haben den Crash mit Unsummen in die Zukunft verschoben. Seit 2008 ist die globale Verschuldung von 100 Billionen auf 300 Billionen gestiegen. Wir haben Schulden mit Schulden bezahlt. Das kann auf Dauer nicht funktionieren.

Die EU versucht sich neu zu orientieren. Haben die EU und der Euro doch noch eine Chance?

Weik: Nein, der Euro hat keine Chance, denn er ist viel zu schwach für Deutschland und viel zu stark für Südeuropa. Währungsunionen sind immer gescheitert und so wird es auch der Euro tun.
Friedrich: Deutschland zahlt selbst als Exportweltmeister in Rekordjahren mit Rekordsteuereinnahmen keinen Cent Schulden zurück. Gleichzeitig erwarten wir dies aber von bankrotten Ländern wie Griechenland? Klar ist: In Europa läuft etwas gewaltig schief.

Der Immobilienmarkt galoppiert in Deutschland. Die Preise steigen, die Baubranche boomt. Dennoch wollen die Banken und Finanzierer nichts von einer Blase wissen. Wie lauten Ihre Einschätzungen?

Friedrich: Wir haben eine Blase und diese wird platzen! Selbst die Bundesbank und der IWF teilen unsere Meinung.

Welche Konsequenzen ergeben sich eigentlich für die Häuslebauer und die investierenden Firmen?

Friedrich: Dafür müssen wir nach Spanien, Irland, USA schauen. Auch da hat es nicht funktioniert. Wenn die Blase platzt, werden wir sehen, wer sich wirklich seine Immobilie leisten kann und wer nicht. Viele Bürger werden, wie in den USA, Spanien, Irland… ihre Immobilie an die Bank verlieren. Andere werden in der Krise sich günstig eine Immobilie zulegen – des einen Leid des anderen Freud.

Finanzexperten. Die beiden Ökonomen und Honorarberater Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben im Jahr 2012 den Bestseller „Der größte Raubzug der Geschichte - warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“. Es war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2013. Es folgten „Der Crash ist die Lösung - Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“ und „Kapitalfehler - Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“. Im April 2017 folgte nun: „Sonst knallt’s!: Warum wir Wirtschaft und Politk radikal neu denken müssen“ (erschienen im Eichborn-Verlag).

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© Wirtschaft Regional 08.08.2017 15:45
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