Jobabbau: Einigung bei Triumph

Schlichtung Nach zähem Ringen einigen sich Arbeitnehmervertreter und die Führung des Wäschekonzerns auf einen Kompromiss. Die Suche nach Käufern für das Areal beginnt sofort.
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    Im Ringen um den Abbau von 290 Arbeitsplätzen im Aalener Logistikzentrum von Triumph gibt es eine Einigung. Archivfoto: Eva Gaida

Aalen/Heubach

Bis in die Nacht wurde am Donnerstag verhandelt, dann war das zähe Ringen beendet: Abgeordnete der IG Metall und des Betriebsrats des Wäschekonzerns Triumph haben mit der Unternehmensführung einen Kompromiss im Schlichtungsverfahren rund um Interessenausgleich und Sozialplan für das Logistikzentrum Aalen erzielt. Dort baut Triumph bis zu 290 der aktuell 400 Arbeitsplätze ab. Unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten am Amtsgericht a.D., Lothar Jordan, haben sich die Parteien auf ein Eckpunktepapier geeinigt und vereinbart, bis zum 21. September 2017 einen ausformulierten Interessenausgleich sowie einen Sozialplan zu verabschieden.

Laut einer gemeinsamen Mitteilung der Arbeitnehmervertreter und der Konzernführung wurde „ein Bündel von sozialverträglichen Maßnahmen wie Vorruhestandsregelungen und der Aufbau einer Transfergesellschaft beschlossen“. Älteren Mitarbeitern sollen Angebote zur Altersteilzeit oder zum Rentenübergang gemacht werden. Außerdem erhalten ausscheidende Mitarbeiter die Möglichkeit, sich in einer Transfergesellschaft weiter zu qualifizieren oder umschulen zu lassen. Zudem beginnt Triumph „umgehend“ mit der Suche nach möglichen Käufern für jenen Teil des Warenlagers, das geschlossen wird. Festhalten will Triumph hingegen am umstrittenen Termin der Schließung zum 31. Dezember 2018. Dann wird Triumph nur noch einen Teil des Geländes bewirtschaften: Rund 100 Mitarbeiter sollen hernach das Triumph-Outlet-Center sowie ein Lager für externe Kunden betreiben.

IG Metall, Betriebsrat und auch die Stadt würden regelmäßig über den Stand des Verkaufsprozesses informiert und haben überdies ein Mitspracherecht. „Bevor eine Entscheidung über einen Verkauf getroffen wird, beteiligt die Arbeitgeberseite den Betriebsrat und die IG Metall Aalen und wird dabei insbesondere Beschäftigungsmöglichkeiten berücksichtigen“, so Triumph.

Die frühzeitige Suche nach einem Käufer hatte der Schweizer Konzern noch vor einer Woche abgelehnt: Triumph hatte zunächst den Standort schließen, und sich anschließend auf die Suche nach einem Investor machen wollen. Laut Roland Hamm, Erster Bevollmächtiger der IG Metall, haben sich bereits mehrere Interessenten für das Gelände gemeldet, unter ihnen etwa Makler. Aber auch aus der Aalener Industrie gibt es Interessenten, etwa die Spedition Brucker (wir berichteten).

Es ist ein akzeptabler Kompromiss.

Roland Hamm, IG Metall

„Wir haben versucht, aus dieser extrem schwierigen Situation für die von der Schließung betroffenen Beschäftigen das Bestmögliche zu erreichen, um die entstehenden Härten aus dem Arbeitsplatzverlust abzumildern“, erklärte der Betriebsratsvorsitzende Rüdiger Werner. Laut Hamm habe man sich in der tariflichen Schlichtung auf einen akzeptablen Kompromiss geeinigt. „Wir haben einen Abschluss erreicht, der weit über den üblichen Verhältnissen der Textilindustrie liegt“, erklärte Hamm auf Anfrage dieser Zeitung. Er betonte jedoch, dass er „noch immer über die Schließung enttäuscht“ sei. „Ich bin nach wie vor überzeugt, dass der Standort eine gute Zukunft gehabt hätte, wäre Triumph zu Investitionen bereit gewesen.“ Die Verhandlungen bezeichnete er als „kompliziert“. Ähnlich sieht das auch der Schlichter. „Das waren harte und schwierige Gespräche“, erklärte Lothar Jordan. „Dennoch bin ich froh, dass wir gemeinsam ein Ergebnis erreicht haben und es nicht zum Schlichterspruch kommen musste. Alle Parteien hatten stets das Wohl der Mitarbeitenden vor Augen, was zu letztendlich konstruktiven Verhandlungen und guten Ergebnissen geführt hat.“

Die Beschäftigen wurden am Freitag über das Ergebnis informiert. Laut Hamm habe die Belegschaft positiv auf den ausgehandelten Kompromiss reagiert. „Die Zustimmung unter den Mitarbeitern war hoch“, so Hamm. Dies dokumentiere die Abstimmung der IG Metall-Mitglieder zum Kompromiss, dem bis auf eine Gegenstimme und eine Enthaltung alle anwesenden IG-Metall-Mitglieder bei Triumph Aalen zugestimmt haben.

Triumph sortiert sich neu

Vor knapp einem Jahr hatte der Triumph-Konzern einen massiven Unternehmensumbau angekündigt. Dazu gehört auch die Konzentration der Lager- und Verteilaktivitäten für die europäischen Märkte an den bestehenden Standorten Wiener Neustadt (Niederösterreich) und im elsässischen Obernai. Leidtragender ist der Standort Aalen. Neben der Schließung des Logistikzentrums in Aalen traf die Umstrukturierung auch den Stammsitz in Heubach hart: Triumph strich 75 Arbeitsplätze. Am Stammsitz war besonders die Produktentwicklung betroffen. Diese wolle man effizienter gestalten, so Triumph damals.

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© Wirtschaft Regional 04.08.2017 18:05
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