Bilanz wird durch Jugendliche getrübt

Arbeitsmarkt Binnen Jahresfrist sinkt die Arbeitslosigkeit um 10,2 Prozent. Dennoch erhofft sich die Agentur im Herbst einen weiteren Rückgang.Qualifikationen und Anforderungen sollen besser passen.
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    Knapp 1000 Menschen waren im Juli weniger arbeitslos als vor einem Jahr. Grafik: younik

Aalen

Elmar Zillert, Chef der Aalener Arbeitsagentur und Herr über die Arbeitslosenstatistik in der Region Ostwürttemberg, hat sich ein besseres Ergebnis erhofft. Nachdem die Zahl der Arbeitslosen seit dem Sommerhoch im August 2016 fast kontinuierlich sogar über die Wintermonate hinweg gefallen war, sind die Zahlen im Juli 2017 wieder angestiegen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 3,5 Prozent, 8625 Menschen waren davon Ende Juli betroffen. Den Ostalbkreis alleine betrachtet, verharrt die Quote bei 3,0 Prozent.

Die Gründe für den Anstieg liegen ausschließlich am rasanten, und so nicht prognostizierten Anstieg der Arbeitslosigkeit bei den Jüngeren: Die Zahl stieg um 181 auf 839 Personen an. Das sei dem Abschließen einer Ausbildung geschuldet, wobei erst nach der Urlaubszeit eine Anaschlussbeschäftigung bei den Firmen vorgesehen sei, urteilt Zillert. „Ich hätte mir für den Juli etwas bessere Werte gewünscht“, sagt er.

Insgesamt zeigt sich der Arbeitsmarkt jedoch in erheblich besserer Verfassung als noch vor einem Jahr. Im Vergleichsmonat 2016 lag die Arbeitslosigkeit noch um 10,2 Prozent höher als heute – das entspricht knapp 1000 Einzelschicksalen in der Region.

Rückgang bei Älteren

Im Juli waren 126 Personen mehr arbeitslos gemeldet. Bei allen Personengruppen mit Ausnahme der Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat sich die Situation jedoch durchgängig leicht verbessert. Die Zahl der über 50-jährigen Arbeitslosen nahm um 75 Personen ab. Ein leichter Rückgang war auch bei den ausländischen Mitbürgern zu verzeichnen, ebenso wie sich die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die sich um 83 auf aktuell 2743 Personen reduzierte. Bei den unter 25-Jährigen kam aber der Ausreßer: Ihre Zahl stieg um satte 27,5 Prozent gegenüber dem Juni, was Zillert ein erneutes Rekordtief bei der Arbeitslosigkeit erst mal vermieste. Zillert: „Dieses Phänomen haben wir erwartet, das Ausmaß hat uns jedoch überrascht.“

Die Zahl der Arbeitslosen hat im Rechtskreis SGB III (Arbeitslosengeld) zwar um 208 Personen auf 4066 Personen zugenommen. Demgegenüber ist im Bereich der Grundsicherung (Hartz IV) die Arbeitslosigkeit um 82 Personen auf 4559 Arbeitslose zurückgegangen. Diese gegenläufige Entwicklung bei den Rechtskreisen wirkte auf den Arbeitsmarkt ausgleichend und sorgte im Agenturbezirk für eine relativ stabile Arbeitslosenquote.

Ich hätte mir bessere Werte im Juli gewünscht.

Elmar Zillert
Chef der Arbeitsagentur

Regionaler Spitzenreiter bleibt mit einer unveränderten Arbeitslosenquote von 1,7 Prozent der Raum Ellwangen. In der Geschäftsstelle Aalen lag die Quote bei guten 2,9 Prozent, gefolgt von Bopfingen mit 3,4 Prozent und Schwäbisch Gmünd mit 3,5 Prozent. Die höchste Quote wurde weiterhin in Heidenheim mit 4,6 Prozent notiert, wobei der Rückgang binnen Jahresfrist im dortigen Landkreis höher ausfiel.

Weiterhin hohe Nachfrage

Der Arbeitsmarkt in Ostwürttemberg zeichne sich weiterhin durch eine hohe Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften aus, wird Zillert nicht müde, die fehlende Passgenauigkeit von Qualifikation der Bewerber und den Anforderungen der Unternehmen zu beschwören. Die Dynamik des Arbeitsmarkts zeige sich besonders an der Entwicklung des Zugangs offener Arbeitsstellen. Im Berichtsmonat wurden der Agentur und den Jobcentern 1635 neue Stellen zur Besetzung gemeldet. „Unseren Vermittlern standen im Juli somit 6042 Arbeitsangebote zur Besetzung zur Verfügung. Seit Jahresbeginn wurden 9830 Arbeitsstellen zur Besetzung gemeldet – das sind 7,4 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2016“, erläutert Zillert weiter.

655 der im Juli neu gemeldeten Arbeitsstellen kommen aus dem Bereich der Produktion und Fertigung. In den Bereichen Verkehr und Logistik wurden 284 neue Stellenangebote gemeldet. Allerdings kämen die meisten Arbeitslosmeldungen auch aus diesen Bereichen werden in diesen Bereichen. „Um Arbeitslosigkeit einerseits zu vermeiden und dem Fachkräftemangel andererseits entgegenzutreten gilt es, die Ungleichgewichte zwischen den Anforderungen der angebotenen Stellen und dem Qualifikationsniveau unserer Arbeitslosen abzubauen,“ erläutert Zillert. „Denn gerade bei dieser guten Arbeitsmarktlage wollen wir alles unternehmen, Arbeitslosen eine Basis zu schaffen, die eine dauerhafte Integration in Arbeit ermöglicht.“ Um Arbeitslosigkeit zu vermeiden, unterstütze die Agentur den digitalen Strukturwandel aktiv und präventiv.

Der Ausbildungsmarkt sei erneut durch eine Zunahme an gemeldeten Ausbildungsstellen gekennzeichnet. Im laufenden Berichtsjahr wurden bisher 3909 Ausbildungsplätze gemeldet – 226 Ausbildungsplätze mehr als noch 2016. Die Zahl der Bewerber blieb mit 3155 konstant.

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© Wirtschaft Regional 01.08.2017 18:39
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