Bittere Pille: SHW CT erneut insolvent

Insolvenzantrag Ältestes Industrieunternehmen Deutschlands ist nach 2013 wieder zahlungsunfähig. Insolvenz in Eigenverwaltung ist beantragt. Michael Pluta hilft bei der Restrukturierung.
  • 2a420f77-c3c3-4855-aeb5-889c8382b4e8.jpg
    In der Formerei des Königsbronner Werks brechen erneut düstere Zeiten an. Foto: sk

Aalen-Wasseralfingen

Der Schock bei den rund 330 Beschäftigten der SHW Casting Technologies (CT) sowie der Öffentlichkeit an den beiden Standorten Wasseralfingen und Königsbronn sitzt tief. Nach der Insolvenz vom April 2013 und der über zwei Jahre währenden Suche nach einem Käufer ist das Traditionsunternehmen nach etwas mehr als zwei Jahren im Besitz von Markus Hüter erneut zahlungsunfähig. Der Geschäftsführer des Gießereiunternehmens, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1365 zurückgehen, hat am Dienstagvormittag beim Amtsgericht Aalen die Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt.

Zum vorläufigen Sachwalter wurde vom Amtsgericht Aalen Prof. Dr. Martin Hörmann von der Kanzlei Anchor Rechtsanwälte benannt. Er begleitet und überwacht die Eigenverwaltung. Zeitgleich stellten neben den beiden SHW CT-Werken auch die zur Gruppe gehörende Holding, die CT Beteiligung GmbH & Co. KG, sowie die Machining Technologies GmbH & Co. KG Werk Königsbronn Anträge auf Eigenverwaltung. Letztere bearbeitet in der weit sichtbaren Halle an der B 19 in Königsbronn die gefertigten Gussteile.

Der Geschäftsbetrieb des Gießereiunternehmens läuft trotz des Liquiditätsengpasses uneingeschränkt weiter. Der Sachwalter soll der Unternehmensspitze nun beim erneuten Restrukturierungsprozess auf die Finger schauen und die Interessen der Gläubiger wahren. Und: Marcus Katholing, langjähriger Mitarbeiter der Pluta Management GmbH, wird als Sanierungsmanager in die Geschäftsführung der SHW CT entsandt. Katholing, der bereits bei Strenesse und einigen Automotive-Firmen bei der Restrukturierung beteiligt war, wird von Dr. Matthias Lehr, Andreas Hummel sowie Simon Eickmann von der Restrukturierungsgesellschaft Pluta sowie Michael Pluta selbst unterstützt. Diese Konstellation lässt auf ein professionelles und intensives Bearbeiten der Schieflage hindeuten.

Michael Pluta selbst hat sich am Dienstagmittag einen Überblick über die Unternehmenssituation verschafft und war aus Ulm ins Wasseralfinger Werk geeilt, um mit der Geschäftsleitung erste Gespräche zu führen. Die Belegschaft an beiden Standorten wurde in Mitarbeiterversammlungen von Markus Hüter über die finanziell schlechte Lage informiert. IG Metall-Bevollmächtigter Roland Hamm hat bereits Kontakt zu Pluta aufgenommen. „Vier Jahre nach der ersten Insolvenz ist nun die erschreckende Gewissheit einer Folgeinsolvenz vorhanden. Am Freitag werden gemeinsam mit den Pluta-Mitarbeitern Betriebsversammlungen in beiden Werken abgehalten“, sagte Hamm.

Die Auftragslage ist dem Vernehmen nach gut, in manchen Bereichen sind die Bücher prall gefüllt. Brancheninsider berichten, dass sich die Wettbewerbssituation gegenüber 2015 eigentlich verbessert habe. Bei der ehemals zur CT-Gruppe gehörende Caterpillar-Gießerei in Kiel wird eine Drosselung der Produktion geprüft. Und Metso soll Branchenkreisen zufolge in der Papiersparte Bearbeitungskapazitäten schließen. Das könnte für Aufträge bei SHW CT sorgen.

Plutas erfahrenes Team ist wichtiger Baustein.

Roland Hamm
Erster Bevollmächtigter IG Metall

„In der Eigenverwaltung liegt die Chance, das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen. Die Aussichten für eine Sanierung sind wegen der vollen Auftragsbücher gut“, erläuterte Markus Hüter am Dienstag. „Alle Aufträge werden wie geplant abgearbeitet. Unsere Kunden und Geschäftspartner können weiterhin auf die Qualität unserer Produkte vertrauen“, warb Hüter bei Kunden und Lieferanten um Vertrauen.

Die rund 330 Mitarbeiter, je 165 an beiden Standorten, hoffen auf das Vertrauen der Geschäftspartner. Sie waren im Juni 2015 bei der 650-Jahr-Feier der SHW-Firmen nach der Entscheidung des damaligen Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz erleichtert gewesen, mit Markus Hüter und seiner Restart GmbH einen potenten Eigentümer gefunden zu haben. Bereits gut ein Jahr später war der geschäftsführende Gesellschafter jedoch bemüht, Immobilien und Grundstücke zu veräußern, was nicht gelang. Offenbar war die finanzielle Decke zu dünn, um bei SHW CT alleine den Weg nach der Insolvenz zu bestreiten. In den vergangenen Monaten waren vereinzelt bereits Liquiditätsengpässe entstanden. Personal- und Einkaufskosten waren auf Kante genäht. 2015 hatte die Unternehmensgruppe von Mai bis Dezember Umsatzerlöse von knapp 32 Millionen Euro generiert, Hüter hatte mit neuen Investoren verhandelt. Er wollte jedoch die Mehrheit der Anteile behalten

2016 hatte sich die finanzielle Lage verschlechtert, wobei Hüter mit den Hausbanken eine Brückenfinanzierung vereinbart hatte, in deren Zuge auch die Kreditlinie mit einer Geltungsdauer bis Ende 2017 erhöht wurde. Fürs laufende Geschäftsjahr 2017 ist ein Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro geplant.

Nach Angaben im Bundesanzeiger lag zu Beginn 2017 ein Auftragsvolumen von 20 Millionen Euro vor. Die Erlöse in den Sparten Papierkalanderwalzen, Großmotorenbau, Allgemeiner Maschinenbau sowie Verschleißguss hatten sich einigermaßen konstant entwickelt.

zurück
© Wirtschaft Regional 25.07.2017 19:32
Ist dieser Artikel lesenswert?
2234 Leser
nach oben