„So lange zu arbeiten, wie ich möchte“

Geburtstag Dr. Dieter Kress kann sich zum 75. Geburtstag seinen größten Wunsch selbst erfüllen. Für den Mapal-Chef stehen die Mitarbeiter und die Familie immer im Mittelpunkt.
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    Dr. Dieter Kress wird an diesem Donnerstag 75. Jahre alt. Er entwickelte Mapal zu einer internationalen Unternehmensgruppe und zum führenden Produzenten von Präzisionswerkzeugen. Foto: Mapal

Aalen.

Er hat den 1950 von seinem Vater Dr. Georg Kress gegründeten Hersteller von Gewindebohrern zu einer internationalen Unternehmensgruppe und zu einem führenden Produzenten von Präzisionswerkzeugen entwickelt: Dr. Dieter Kress feiert an diesem 18. Mai mit der Familie und Gästen seinen 75. Geburtstag, die Belegschaft ist zu einem Familientag eingeladen.

Der geschäftsführende Gesellschafter der Mapal Dr. Kress KG ist eine herausragende Unternehmerpersönlichkeit. Der enge Kontakt zu seinen Mitarbeitern und deren Aus- und Weiterbildung ist ihm stets ein besonderes Anliegen – ein Chef mit Herz. Heute ist die Mapal-Gruppe in 44 Ländern tätig; die weltweit rund 5000 Mitarbeiter erwirtschafteten 2016 einen Umsatz von 570 Millionen Euro.

Dr. Dieter Kress trat 1969 nach Diplom-Abschlüssen in Maschinenbau und BWL ins väterliche Unternehmen ein und promovierte zum Thema „Reiben“. Genau darauf begründet sich der Erfolg von Mapal: 1954 kaufte Georg Kress das Patent für eine einstellbare Reibahle einem italienischen Erfinder ab. Nach einigen Optimierungen erreichte die Reibahle überragende Ergebnisse, Dieter Kress entwickelte aus dem Standardprodukt leistungsfähige Sonderwerkzeuge. „Wir haben das Werkzeug immer auf die Bedürfnisse des Kunden abgestimmt“, beschreibt Kress das Mapal-Credo – nah am Kunden zu sein und die beste Lösung für ihn zu finden.

Neben der Reibahle hebt der Jubilar ein einen weiteren Grund für das Mapal-Wachstum hervor: „Der Bedarf der Industrie an Werkzeugen stieg dank der Umstellung von Transferstraßen auf Bearbeitungszentren. Deshalb haben wir ab den 1990er-Jahren unser Produktangebot kontinuierlich ausgebaut.“ Heute ist Mapal Komplettanbieter für die Bearbeitung kubischer Bauteile und deckt die Bereiche Spannen, Bohren und Senken, Reiben und Feinbohren, Fräsen und Hartdrehen sowie Aussteuern ab und bietet neben Geräten zum Einstellen, Messen und Ausgeben von Werkzeugen Dienstleistungen rund um die Werkzeuge an.

Nah am Kunden zu sein ist unser Erfolgsrezept

Dr. Dieter Kress
Mapal-Chef

Ein weiterer wesentlicher Baustein des Wachstums: Weltweit gezielte Neugründungen und Zukäufe. „Wir sind aber mehr organisch als durch Zukäufe gewachsen“, erklärt Kress, „es entsprach nie der Mapal-Strategie, Großunternehmen zu kaufen, wir haben selbst gegründet oder kleine Firmen gekauft, denn für mich ist es wichtig, die eigene Kultur der Unternehmen zu respektieren“. Die Firmengründer, beispielsweise bei WWS in Pforzheim oder bei Miller in Altenstadt, blieben als Geschäftsführer in den Unternehmen. So stellte sich Mapal breiter auf.

„Natürlich braucht man als Unternehmen auch eine Menge Glück“, bekennt Kress, „und die Freiheit, eigene, auch kurzfristige, Entscheidungen treffen zu können“. Beispiel: Spontan investierte Dieter Kress 2013 aus Begeisterung in einen 3-D-Drucker. „Ob der 3-D-Druck für den Werkzeugbereich nützlich und praktikabel sein würde, davon hatten wir damals nur vage Vorstellungen“, erinnert sich Kress. Heute fertigt Mapal auf drei Maschinen in Serie – mit deutlichem Mehrwert für die Kunden.

Sehr wichtig ist Dieter Kress, dass die Zukunft von Mapal als inhabergeführtes Familienunternehmen sichergestellt ist: Seit 2008 steht Dr. Jochen Kress seinem Vater zur Seite und übernimmt als Mitglied der Geschäftsleitung immer mehr Ressorts. „Ich ziehe mich dagegen aus dem aktiven Tagesgeschäft zurück, mein Sohn wird in nicht allzu ferner Zukunft meine Nachfolge antreten“, kündigt Dr. Dieter Kress an und lässt wissen: „Ich bin froh und stolz, wie er aktuelle Themen anpackt, beispielsweise mit der Plattform c-Com“. Er freue sich aber auch darüber, sagte Dieter Kress offen, „dass ich immer noch Wertvolles zum Unternehmenserfolg beitragen und so lange arbeiten kann, wie ich möchte – das ist der Vorteil des eigenen Unternehmens“.

Groß ist das Engagement von Dieter Kress auch außerhalb von Mapal. Er unterstützt das Theater des Stadt Aalen und die Aalener Jazztage. Jahrelang war er treibende Kraft als Mitglied des Hochschulrats der Hochschule Aalen. Auf seine Initiative wurde im Rahmen der Zukunftsinitiative Ostwürttemberg der Verein P.E.G.A.S.U.S. gegründet, der Existenzgründern und Jungunternehmern auf die Sprünge hilft. Auch das überregionale Engagement von Kress ist bemerkenswert: Im Verband der Maschinen- und Anlagenbauer leitete er viele Jahre die Fachsparte Präzisionswerkzeuge; er war als Vorsitzender der internationalen Normenkommission maßgeblich an der Einführung der Hohlschaftskegel-Norm beteiligt. Dadurch konnte die Aufnahme von Werkzeugen in die Werkzeugmaschinen flexibler erfolgen. Kress ist Träger des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. -wh-

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© Wirtschaft Regional 17.05.2017 20:24
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