Firmengründer braucht das Land!

Gründer Die Cyber-One-Roadshow machte in Aalen Halt, um Gründer zu finden und zu motivieren. Business Angels sollen helfen. Was hinter dem Begriff steckt und warum das Land dringend Gründer braucht.
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    Frank Motte erklärt den Zuhörer in der Neuen Aula der Hochschule Aalen, wie Business Angels Gründer und Start-ups beraten und unterstützen. Foto: rs

Aalen

Die Diagnose ist wenig erbaulich. „Im bundesweiten Vergleich steht Baden-Württemberg bei der Gründungsintensität auf einer Stufe mit den Stadtstaaten und dem Saarland“, sagt Frank Motte. Und das heißt nichts Gutes, denn es bedeutet: Abstiegskampf! Um wieder den Anschluss an die mittleren Tabellenregionen – und Lust aufs Gründen und die eigene Firma zu machen, tourt die Cyber-One-Roadshow durchs Land.

Beim Halt an der Hochschule Aalen stellte Daniela Zeliani zunächst das Netzwerk BWCon vor, dem 600 kleine und mittelständische Unternehmen, 71 Forschungseinrichtungen sowie mehr als 90 Start-ups angehören. BWCon bietet neben den klassischen Vorteilen eines Netzwerks auch Coaching für Start-ups in der Gründungsphase an. Zu den geförderten Firmen gehörte einst Netviewer, inzwischen längst ein erfolgreicher Mittelständler.

Ein Instrument der Gründermotivation ist der Cyber-One-Award, der jährlich an die besten Gründer im Land vergeben wird. Gewinnen kann zwar nur einer, doch Zeliani betont den Nutzen für die Teilnehmer. „Die Start-ups reichen ihre Business-Pläne und bekommen von der Jury konstruktive Rückmeldung“. Zudem sichert die Teilnahme einen Platz im Radar potenzieller Investoren, etwa den sogenannten Business Angels.

Einer davon ist auch Frank Motte, früher Geschäftsführer von SHW CT und heute als Professor an der Hochschule Aalen tätig und seines Zeichens Business Angel. In seinem Vortrag bei der Roadshow erklärte Motte denn auch, was man sich unter einem Business Angel genau vorzustellen hat, wie diese Gründern helfen und welche Fehler Start-ups auf jeden Fall vermeiden sollten. Er selbst ist bereits im 7. Jahr Jurymitglied beim Cyber-One-Award und hat selbst in ein Start-up investiert. „Der Preis hat allein durch seine Öffentlichkeitswirkung einen Sinn für die Teilnehmer.“ Er ist einer der größten Wettbewerbe seiner Art in Deutschland. In Baden-Württemberg ist er sogar der Größte - und eben bitte nötig: Denn in Sachen neue Unternehmen hinkt das Ländle mächtig hinterher, auch wegen der hervorragenden wirtschaftlichen Entwicklung: Statt sich auf das ungewisse Abenteuer eigenes Unternehmen einzulassen, sichern sich viele potenzielle Gründer lieber gut bezahlte Jobs. Das Problem: „Die Wirtschaft braucht Pioniere!“, so Motte.

Wer eine Idee hat, soll seine Chance nutzen!

Prof. Dr. Frank Motte
Professor und Business Angel

Business Angels sollen dabei helfen, Privatpersonen, die eine Beteiligung an einem Unternehmen eingehen, „also nicht zu den 3 Fs gehören: den Friends, Families oder Fools“, wie Motte erklärt. Doch Business Angels investieren nicht nur ihr eigenes Geld in eine Beteiligung, sie helfen den Gründern mit ihrer Erfahrung, betriebswirtschaftlichem oder technischem Know-how, unterstützen operativ oder öffnen Türen, die jungen Firmen verschlossen bleiben würden.

Business Angels gibt es viele: Das Volumen des von ihnen investierten Kapitals übersteigt sogar jenes, das etwa Venture-Capitals-Firmen in den Markt pumpen, das gilt für Deutschland auch die USA. Motte macht deutlich: „Die Zeit des wilden Investierens ist vorbei. Business Angels prüfen genau, wo sie ihr Geld anlegen.“ Dazu gehört , den Gründern ordentlich auf den Zahn zu fühlen – vor allem im menschlichen Bereich muss es passen. Dennoch ist die Investitionsbereitschaft so groß wie nie. Wichtig, so Motte, sei zudem, dass vor der Beteiligung alle Phasen der Zusammenarbeit klar definiert sind: Eintritt, Art der Unterstützung und Kooperation und auch der Austritt. Motte ermuntert die Gründer: „Man muss nicht immer Spitzentechnologien erfinden. Wer eine gute Idee, soll seine Chance nutzen!“

Die ist in Zeiten der Digitalisierung größer denn je. Wie ein Traditionsunternehmen mit diesem revolutionären Wandel umgeht, erläuterte Christian Kaufeisen, ebenfalls Mitglied der Jury des Cyber-One-Awards und Geschäftsführer der SDZ Druck und Medien in Aalen, dem Haus, in dem auch diese Zeitung erscheint. Die Digitalisierung ist Chance wie Herausforderung: „Wir müssen digitales Know-how aufbauen, Prozesse verändern und unsere Geschäftsfeldeinordnungen überdenken.“

Die SDZ hat drei Ziele im Fokus. Erstens: den Ertrag und die führende Position im Medienmarkt in der Region sichern und ausbauen. Zweitens: Wachstum durch neue Geschäftsideen schaffen. Drittens: Innovationen generieren und neuen Ideen eine Chance geben. In den vergangenen Jahren wurden etwa die Tochterfirmen SDZ Events sowie die Werbeagentur Younik gegründet. Gleichzeitig will man intern für Transparenz sorgen und Mitarbeiter für die digitalen Herausforderungen rüsten. „Wir müssen verstärkt in Zielgruppen denken und Freiräume für Kreativität schaffen“, so Kaufeisen. Bei allen neuen Ideen, stellt er klar, was die Basis eines erfolgreichen Medienhauses ist: „Wir leben von den Inhalten und ihrer Qualität.“

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© Wirtschaft Regional 16.05.2017 19:24
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