Zeiss legt enorm an Tempo zu

Halbjahresbilanz Trotz Patentstreit mit Nikon und schwächelndem Heimatmarkt präsentiert der Konzern glänzende Zahlen. Allein in Ostwürttemberg schuf Zeiss in sechs Monaten 200 neue Jobs.
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    Noch bis Freitag präsentiert sich der Zeiss-Konzern auf der Weltleitmesse für Qualitätssicherung, der Control, in Stuttgart. Fotos: Zeiss
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    Zeiss-Vorstandschef Prof. Dr. Michael Kaschke

Oberkochen

Noch bis Freitag präsentieren Firmen aus aller Welt ihre Produkte und Innovationen auf der Control in Stuttgart. Auch der Oberkochener Optikkonzern Zeiss ist bei der Weltleitmesse für Qualitätssicherung mit einem Stand vertreten. Einen Tag vor Ende der Messe hat Zeiss die Geschäftszahlen des vergangenen Halbjahres, das am 31. März endete, bekannt gegeben. Und die sind glänzend.

Um rund zehn Prozent wuchs der Umsatz auf 2,55 Milliarden Euro, das operative Ergebnis (Ebit) legte um mehr als ein Drittel auf nun 384 Millionen Euro zu. „Wir sind mit dem Ergebnis und der Entwicklung sehr zufrieden“, sagte Vorstandschef Prof. Dr. Michael Kaschke.

Dass ausgerechnet im deutschen Markt die Umsätze um zwei Prozent sanken, hatte keine Auswirkungen: Schließlich erwirtschaftet Zeiss knapp 90 Prozent seiner Erlöse im Ausland. Dort macht vor allem der asiatisch-pazifische Raum Freude. Der Umsatz stieg um zehn Prozent, in Nord- und Südamerika um acht Prozent. „Dort sehen wir jedoch noch weiteres Potenzial“, so Kaschke. In den Schwellenländern wie Indien oder Mexiko legte der Erlös gar um 18 Prozent zu. „Wir sind in diesen Märkten sehr gut unterwegs und werden unsere Geschäfte dort weiter ausbauen.“

Trotz der internationalen Ausrichtung profitieren vor allem die Heimatstandorte von der guten Lage. Wie berichtet investiert Zeiss aktuell rund 60 Millionen Euro in das Südwerk in Oberkochen. Auch die Zahl der Mitarbeiter steigt – weltweit und in Ostwürttemberg. Allein hier hat Zeiss in den vergangenen sechs Monaten 200 neue Stellen geschaffen, die Zahl der Beschäftigten stieg auf rund 7000.

SMT weiter auf Kurs

In den einzelnen Geschäftssparten ragt die viele Jahre kränkelnde Halbleitersparte heraus. Um 29 Prozent wuchsen die Erlöse. Sowohl in der traditionellen DUV-Technologie als auch in der Zukunftstechnologie EUV nimmt die Nachfrage zu. „Die Entwicklung ist ein hervorragender Beleg für unsere langfristige Kundenorientierung.“ Zeiss bewies bei SMT langen Atem, verzichtete in der Krise auf umfassende Sparmaßnahmen, investiert stattdessen massiv in die neuartige EUV-Technik – und wird nun belohnt. Ein Viertel des SMT-Umsatzes erwirtschaftete Zeiss im ersten Halbjahr mit Maschinen der neusten Generation.

Für etwas Unruhe in der allgemeinen Freude über die gute Entwicklung sorgt hingegen der Patentstreit mit Nikon. Wie berichtet, war 2014 ein sogenanntes Kreuzlizenzabkommen ausgelaufen. Dies hatte beiden Konzernen (und auch Zeiss-Partner ASML) ermöglicht, Patente und Technologien der anderen Partei zu nutzen. „Leider verliefen die Verhandlungen über eine Fortführung ergebnislos“, so Kaschke, der erklärte, dass Nikon offenbar wenig Interesse an der Fortsetzung des Deals hatte.

Stattdessen beschritten die Japaner den Rechtsweg und reichten Klagen gegen Zeiss und ASML ein. Die Oberkochener wiesen die Anschuldigungen sofort zurück, um anschließend gemeinsam mit ASML ebenfalls Klagen an Gerichten in Deutschland, Japan und den USA einzureichen. Weitere sollen folgen. Zu Hintergründen oder einer etwaigen Motivation Nikons für den Konfrontationskurs äußerte sich Kaschke nicht. „Zeiss hat keine Patente verletzt“, sagte er und fügte hinzu: „Wir wissen uns zu verteidigen.“

Es wird aber spekuliert, ob die spezifische Konstellation im Markt für Lithographiesysteme Schuld an der Eskalation sein könnte. Im Prinzip gibt es weltweit nur noch drei große Hersteller, die die Chiphersteller wie Samsung oder Intel beliefern: Zeiss, Nikon und eben ASML. Dass Zeiss und ASML nun durch gemeinsame Projekte und der Beteiligung von ASML an Zeiss SMT durch den Kauf von 24,9 Prozent der Anteile noch näher zusammengerückt sind, dürfte Nikon nicht gefallen haben.

Wir wissen uns zu verteidigen.

Prof. Dr. Michael Kaschke

Zeiss-Bilanz des 1. Halbjahres 2016/17 im Überblick (Vergleich zum Vorjahr)

  • Umsatz:
    2,550 Mrd. Euro (+10%)
    davon
    SMT 541 Mio. (+29%)
    Research & Quality Techn.
    743 Mio. (+3%)
    Vision Care/Consumer
    553 Mio. (+4%)
    Medical Technology 682 Mio. (+10%)
  • Auftragseingang:
    2,743 Mrd. Euro (+12%)
  • Ebit: 384 Mio. Euro (+37%)
  • Konzernergebnis:
    247 Mio. Euro (+32%)
  • Investitionen F&E:
    247 Mio. (+19%)
  • Mitarbeiter: 26.178 (+3%)
    davon in Ostwürttemberg 7000 (+200)
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© Wirtschaft Regional 11.05.2017 18:40
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