Kauft Stefan Laucher AIMD?

Investorenprozess Der indische Automobilzulieferer Amtek will durch den Verkauf der früheren Scholz Edelstahl Gruppe seine Finanzlage verbessern.
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    Im Investorenprozess des Stahlhandelsunternehmens AIMD (früher Scholz Edelstahl) mit Zentrale in Essingen (Foto) steht eine Entscheidung kurz bevor – Stefan Laucher hat Interesse. Foto: M. Burkardt

Essingen

Die frühere Scholz Edelstahl (SES) GmbH, die seit dem 1. Oktober 2014 dem Automobilzuliefererkonzern Amtek mit Sitz in Mumbai/Indien gehört und die seitdem unter AIMD GmbH (Amtek International Metal-Division) firmiert, steht kurz vor einem erneuten Verkauf.
Dr. Stefan Laucher, Berater einer Investmentbank und Eigner der Gesellschaft für Ablauforganisation, Informationsverarbeitung und Kommunikationsorganisation (GABO) in München, einem Lösungsanbieter für Geschäftsprozesse in digitaler Zusammenarbeit und Business Intelligence, bestätigte auf Anfrage dieser Zeitung: „Ja, ich habe als Privatmann Interesse an einem Kauf, aber es ist noch kein Vertrag unterschrieben.“ Mehr könne er nicht sagen, „weil Stillschweigen vereinbart wurde.“

Stefan Laucher wollte schon vor drei Jahren bei der SES Gruppe einsteigen, die zu 75 Prozent der Scholz Holding und zu 25 Prozent Franz Fuchs gehörte. Der Verkauf von nicht zum Recycling-Geschäft gehörenden Unternehmensteilen war eine zentrale Vorgabe im Sanierungsprozess der inzwischen im vollständig Besitz der chinesischen Chiho Tiande Group (CTG) befindlichen Scholz Recycling GmbH.

AIMD hat sich nach der Übernahme unter der Leitung der Geschäftsführer Kunal Sabharwal, Anubhav Dham, Manfred Vogel und Carl-Heinz Schütte als Stahlhandelsunternehmen mit Dienstleistungszentren neu positioniert. AIMD bietet heute ein breites Portfolio und ist ein schneller Lieferant und flexibler Anbieter von Weiterveredlung. „Wir haben im Lager 192 verschiedene Stahlgüten vorrätig und passen deren Eigenschaften mit modernen Maschinen zur Wärmebehandlung, zum Schälen, Richtpolieren, Sägen und Anarbeiten dem Kundenwunsch an“, erklärt Ole Josat, der die Stahlhandelsgeschäfte verantwortet. Auch Werkstoff- und Rissprüfungen führe AIMD schnell durch. Neu organisiert hat AIMD auch den Vertrieb und den Einkauf. Key-Account-Bereiche wurden vertriebsseitig geschaffen, das Einkaufsverhalten auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtet, neue Sparten wie Schmiedeprodukte, Rostfreiware, Schraubenwerkstoffe, Handel oder technische Dienstleistungen etabliert. Als Volltreffer, so Josat, habe sich eine besondere Dienstleistung erwiesen: „Der Kunde liefert das Material, wir nehmen die Weiterverarbeitung vor.“ Dadurch habe AIMD neue Kunden gewonnen, den Umsatz gesteigert „und unsere Gewinnmarge liegt über dem Branchenschnitt“, sagte Ole Josat. Die Amtek Gruppe wolle nun AIMD verkaufen, das sei „ein im heutigen Wirtschaftsleben normaler Vorgang“. Mit einem Ergebnis des von Indien aus gesteuerten Investorenprozesses, der über die Rothschild-Bank läuft, sei im ersten Halbjahr 2017 zu rechnen, sagte Josat. Namen seien „strenges Dienstgeheimnis“. Der von Dr. Stefan Laucher nicht mehr.
Inwieweit sich die offensichtlich angespannte Finanzlage der Muttergesellschaft auf den Investorenprozess auswirkt, wird sich zeigen. Amtek konnte jedenfalls vor wenigen Wochen nicht verhindern, dass der Motorenteilehersteller REGE in Hörselberg bei Eisenach, den die Inder 2015 kauften, mit 1100 Mitarbeitern in Insolvenz ging.

Gesellschaften der AIMD Gruppe
AIMD GmbH Essingen und Niederlassung Dortmund; Hapu Industrievertretungen GmbH Essingen (zusammen 85 Mitarbeiter); SRT GmbH (Rissprüftechnik) in Essingen (17 Mitarbeiter); OWZ Ostalb-Warmbehandlungszentrum in Aalen (36 Mitarbeiter); WTL Werkstofftechnik-Labor in Essingen (10 Mitarbeiter); M. Droste Stahlhandel GmbH in Bochum (3 Mitarbeiter).

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© Wirtschaft Regional 05.05.2017 21:27
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