IHK forciert schnelles Internet

Wirtschaft Beim landespolitischen Abend der IHK wurde mit Nachdruck für den Ausbau von Datenleitungen geworben, den ein Arbeitskreis nun forcieren soll.
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    Bei der IHK macht man sich Gedanken über die künftige Breitbandversorgung. Foto: IHK

Heidenheim

Die Zukunft wird ziemlich schnell sein. Darin sind sich die Experten einig: Schon in wenigen Jahren werden die Anforderungen an digitale Verbindungen weitaus größer sein als heute. Wer Glasfaserleitungen hat, hat einen Standortvorteil. Damit Ostwürttemberg als ländlicher Raum nicht abgehängt wird, hat die IHK beim zweiten landespolitischen Abend die Breitbandversorgung zum Thema gemacht. Dafür forderte die Vertretung der regionalen Wirtschaft die Unterstützung der Politik ein. Gekommen waren die Landtagsabgeordneten Martin Grath (Grüne), Andreas Stoch (SPD) und Winfried Mack (CDU) sowie die Oberbürgermeister Bernhard Ilg und Gerrit Elser, Aalens Bürgermeister Wolfgang Steidle und Landrat Thomas Reinhardt.

Als Experte fürs Thema Breitband referierte Rudi Feil (Geodata GmbH). Am Standort Westhausen ging es für Geodata vor neun Jahren um die Frage bleiben oder gehen, denn eine Breitbandversorgung war für das Unternehmen existenziell. Auf eigene Initiative habe man 25 der 80 Betriebe im Industriegebiet „Waage“ von den Vorteilen der Glasfaserleitung überzeugt, berichtete Feil.

Geodata hat vor zwei Jahren vom Landkreis Heidenheim den Auftrag erhalten, die Kosten für einen flächendeckenden Ausbau der Glasfaserverbindungen zu eruieren. Um alle Gemeinden im Landkreis mit der bis an jedes Haus reichenden „Fiber to the Home“-Technik (FTTH) zu versorgen, wären Investitionen von 120 Millionen Euro nötig.

Das Unternehmen unterstützt die IHK und die Landkreise nun dabei, einen Breitbandatlas für Industrie- und Gewerbegebiete in Ostwürttemberg zu entwickeln. Aus dieser Arbeit hatte Rudi Feil Zahlen mitgebracht. „Im ländlichen Raum sind lediglich knapp zwei Prozent der Anschlüsse direkt an Glasfasernetze angeschlossen. Im städtischen Raum sind es immerhin elf Prozent“, sagte Feil. Etwa 84 Prozent der Anschlüsse im ländlichen Raum seien nicht zukunftsfähig – ernüchternde Zahlen. Von den Gewerbegebieten im Ostalbkreis seien 175 mit Glasfaser versorgbar, im Kreis Heidenheim lediglich zwölf. Bei 91 weiterenGewerbegebieten gibt es immerhin eine Infrastruktur in der Nähe.

Wir müssen alle zusammen ins Boot holen.

Rudi Feil
Geschäftsführer Geodata GmbH

„Der flächendeckende Glasfaserausbau gehört zur Daseinsvorsorge“, sagte Abgeordneter Andreas Stoch. Daneben sei aber auch eine Offensive im Bereich der Weiterbildung von Berufstätigen und Bildungspläne für Schulen, die die Schüler auf die neue Wirklichkeit vorbereiten, dringend notwendig. Winfried Mack sprach von einem Strukturwandel: „Wer dabei sein will, muss eine entsprechende Infrastruktur haben“, sagte er. Martin Grath appellierte an die Kommunen, die Fördergelder abzurufen, die das Land für den Ausbau von Datennetzen bereitgestellt habe - und zwar mit Glasfaser.

Für die Kommunalpolitiker stand die Frage, wie man den Ausbau finanzieren solle, im Vordergrund. „Die Anschlüsse für Privathaushalte werden nicht ohne eine Art von Erschließungsbeitrag möglich sein“, meinte Bernhard Ilg. 55 Millionen Euro müsste die Stadt für die flächendeckende Breitbandversorgung ausgeben: „Das wird schwierig“, so Ilg. Wolfgang Steidle machte ein anderes Spannungsfeld aus: „Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander“, sagte er. Weder Tiefbau- noch Elektrotechnikfirmen würden auf entsprechende Ausschreibungen zum Glasfaserausbau Angebote einreichen.

Unternehmer Rudi Feil war der Ansicht, dass in der Region noch zu wenig passiere: „Wir müssen alle ins Boot holen und eine gemeinsame Strategie entwickeln“, sagte er. Darum, so IHK-Geschäftsführerin Michaela Eberle, solle sich nun der Digitalisierungsausschuss der IHK kümmern, in dem sich 16 Mitglieder der Vollversammlung engagieren. Mit Hilfe des Breitbandatlas soll der Handlungsbedarf transparent gemacht werden.

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© Wirtschaft Regional 04.05.2017 18:15
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