Fünf Handlungsfelder sind definiert

IHK-Digitalisierungsausschuss Michael Belko von Carl Zeiss AG ist zum Vorsitzenden gewählt. 84 Prozent der Breitband-Anschlüsse sind nicht zukunftsfähig. Digitalisierung und Ausbau sollen rasch vorangetrieben werden.
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    Die Mitglieder des neuen Digitalisierungsausschusses der IHK unter Vorsitz von Michael Belko (5.v.re.) hatten zur konstituierenden Sitzung Andrea Hahn (Landratsamt Ostalb; 7.v.li.) und Michael Setzen (landratsamt Heidenheim; 7.v.re.) eingeladen. Foto: IHK

Heidenheim

In der konstituierenden Sitzung des neuen Digitalisierungsausschusses der IHK Ostwürttemberg wurde Michael Belko, Leiter der Konzernfunktion IT der Carl Zeiss AG, einstimmig zum Vorsitzenden gewählt. Das ehrenamtliche Gremium mit seinen 16 Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Wissenschaft wird sich künftig mit den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen für die Digitalisierung in der Wirtschaftsregion Ostwürttemberg befassen.

Der neue Ausschuss der IHK Ostwürttemberg, der nach der Neuwahl der IHK-Vollversammlung 2016 ins Leben gerufen wurde, legt die ersten Schwerpunkte auf fünf Bereiche: Infrastrukturelle Voraussetzungen, Anpassung der Aus- und Weiterbildungsinhalte, Technologien und Prozesse, Datensicherheit (insbesondere für KMU) sowie das Bewusstsein einer digitalen Region in einem so genannten teilmetropolen Umfeld.

Der Ausschuss stellt das zentrale Beratungsgremium beim Thema Digitalisierung für die IHK-Vollversammlung dar. IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle sagte: „Die Ausschussmitglieder repräsentieren eine breite Palette an Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen. Nur so werden wir in der Lage sein mit konkreten Maßnahmen und Projekten aber auch mit unseren Forderungen die Rahmenbedingungen für die Digitalisierung in Ostwürttemberg weiter zu verbessern. Alle Aktivitäten sollen schließlich dazu dienen, die Wettbewerbsfähigkeit der Region zu steigern, so Eberle.

Vorsitzender Michael Belko betonte, dass Vernetzung und Erfahrungsaustausch untereinander und mit den Mitgliedsunternehmen der IHK für die Arbeit des neuen Gremiums enorm wichtig seien. Eine große Herausforderung für die Firmen sieht Belko im Ausbau der Breitbandinfrastruktur. „Ein flächendeckend verfügbares und bezahlbares Breitbandnetz bis in den Gigabitbereich ist die Voraussetzung für die digitale Wettbewerbsfähigkeit der Region“, erklärte der IT-Experte. Nur so könnten die Unternehmen neue digitale Geschäftsmodelle realisieren und die dafür nötigen Experten begeistern.

Firmen können nicht acht Jahre aufs schnelle Internet warten.

Michaela Eberle
IHK-Hauptgeschäftsführerin

Rudi Feil, Geschäftsführer der Geo Data GmbH, präsentierte den Stand und Perspektiven der digitalen Infrastruktur in Ostwürttemberg. Feil betonte, dass die Bundesrepublik noch mehr tun müsse, um im weltweiten Wettbewerb digitale Spitze zu werden. Feil sagte: „Beim Thema Breitband liegt Deutschland zurück. Der Anteil der Glasfaser an allen stationären Breitbandanschlüssen ist in Deutschland sehr gering.“ Im Vergleich der OECD-Länder liege Deutschland in der Schlussgruppe. „Im ländlichen Raum sind lediglich knapp zwei Prozent der Anschlüsse direkt an Glasfasernetze angeschlossen. Im städtischen Raum sind es immerhin elf Prozent“, sagte Feil. Etwa 84 Prozent der Anschlüsse im ländlichen Raum seien nicht zukunftsfähig.

Die Strategie rascher umsetzen

„Hier wird der Handlungsbedarf im Hinblick auf unsere digitale Wettbewerbsfähigkeit sichtbar“, unterstreicht Michaela Eberle. „Aus regionalen Umfragen wissen wir, dass fast jedes technologieorientierte Unternehmen in der Region Digitalisierungsprojekte plant. Rund fünf Prozent der gewerblichen Wertschöpfung werden aus der digitalen Wirtschaft generiert. Es darf nicht sein, dass die Bundesregierung den Firmen mit ihrer digitalen Strategie 2025 zu verstehen gibt, dass diese noch acht Jahre aufs Hochgeschwindigkeitsinternet warten sollen.“ sk

Mitglieder des Digitalisierungsausschusses: Michael Belko, Carl Zeiss AG; Rainer Bigalsky, Weleda AG; Prof. Dr.-Ing. Heinz-Peter Bürkle, Prorektor Hochschule Aalen; Werner Elbert, Hauff-Technik GmbH; Rudi Feil, Geo Data GmbH; Roland Fuchs, Landratsamt Heidenheim; Maximilian Grimminger, Kessler & Co.; Helmut Haas, Inneo Solutions GmbH; Hubert Herkommer, Kreissparkasse Ostalb; Dirk Jost, RUD Ketten Rieger & Dietz GmbH u. Co. KG; Reiner Kuderer, Telenot Electronic GmbH; Bernhard Palm, NetCom BW GmbH; Klaus Raab, Raab IT-Systemhaus GmbH & Co. KG; Heiko Rössel, Röwaplan AG; Martin Schiller, Voith Digital Solutions GmbH; Edgar Strommer, Leitz GmbH & Co. KG.

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© Wirtschaft Regional 12.04.2017 18:23
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