Ein Meilenstein für Videre

Expansion Das Familienunternehmen wächst seit Jahren – auch dank einer mutigen Übernahme im Saarland. Doch der Erfolg ruht laut Firmenchef Paul Kuhn zudem auf einer nachhaltigen Philosophie.
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    Der Holzfachmarkt Alsfasser im saarländischen St. Wendel-Bilesen wurde erst 2015 fertiggestellt. Seit vergangenem Jahr gehört der Standort zum Abtsgmünder Unternehmen Videre. Fotos: Videre

Abtsgmünd

Für Paul Kuhn und sein Unternehmen Videre ist es ein Meilenstein, für die Mitarbeiter der saarländischen Firma Alsfasser die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Abtsgmünder Unternehmerfamilie hat im vergangenen Jahr den Standort des Unternehmens übernommen – und stößt so in neue Dimensionen vor. In mehrfacher Hinsicht.

Zum einen bedeutet es einen großen Wachstumssprung: Der Umsatz des Holzspezialisten soll in diesem Jahr auf 28 Millionen Euro steigen, 2016 waren rund 18 Millionen Euro erreicht worden. Zum anderen bedeutet die Übernahme ein wichtiges Puzzleteil in der Expansion: Videre gilt dank seiner Größe und seines großen Angebots für Industriekunden sowie Handwerker und Privatkunden als regionaler Marktführer. „Wir liefern in einem Umkreis von rund 100 Kilometern“, sagt Kuhn, von Abtsgmünd aus bis nach Sinsheim, vom saarländischen Standort im Osten bis nach Luxemburg und im Westen bis nach Kaiserslautern. Ein Drittel des Umsatzes wird in St. Wendel getätigt. „Mittelfristig ist es unser Ziel, das Gebiet zwischen Kaiserslautern und Sinsheim ebenfalls zu erschließen.“ Das Wachstum ist indes kein Selbstzweck.

„Dadurch bieten wir auch unseren Kunden in der Region ein erweitertes Angebotsspektrum“, so Kuhn, der das Unternehmen gemeinsam mit seinen Söhnen Thomas und Sebastian führt. „Durch unsere Standorte in Abtsgmünd, Remshalden und St. Wendel haben unsere Kunden Zugriff auf ein nahezu doppeltes Lagersortiment. Das schafft Synergien.“ Als Beispiel nennt Kuhn die verschiedenen Holzarten, die an den Standorten verfügbar sind. In St. Wendel gibt es etwa ein umfangreiches Stammholz-Sortiment mit Hölzern aus aller Welt, auch exotischen.

Grundstein des Erfolgs wurde 2001 im Remstal gelegt

Dazu kommt der Standort in Remshalden, wo die Abtsgmünder eine riesige Türen-Boden-Ausstellung aufgebaut haben. „Nicht nur Synergien – auch die strategische Ausrichtung ist für unser Unternehmen wegweisend“, so der Unternehmer. Das Ziel? „Die Märkte künftig von Luxemburg über das Saarland, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern bis an die Grenzen der neuen Bundesländer, mit zehn firmeneigenen Lkw – vom 7,5-Tonner bis zum Sattelzug mit Kranfahrzeug – logistisch innerhalb von zwei Tagen zu bedienen.“ Durch die Übernahme wächst auch die Fläche der Unternehmensgruppe: Der Standort im Saarland verfügt über eine Gesamtfläche von 21.200 Quadratmetern, 10.600 davon sind überdacht. In Abtsgmünd erstreckt sich das Videre-Areal inzwischen auf rund 12.000 Quadratmeter.

Den Grundstein für das Wachstum legten Kuhn und seine Ehefrau Renate im Jahre 2001 mit dem 1500 Quadratmeter großen Holzfachmarkt, einer 1000 Quadratmeter großen Türen-Boden-Ausstellung sowie einer 600 Quadratmeter umfassenden Indoor-Gartenausstellung in Remshalden. 2006 kam der Standort in Abtsgmünd-Dettenried hinzu, wo ein Logistikzentrum samt Büro und Lagerhalle gebaut wurde. Seitdem wurde der Standort zweimal ausgebaut: 2010 kam eine neue zweite Lagerhalle hinzu, 2013 eine dritte. Auch im Online-Handel mischt Videre inzwischen mit. Dank eines neuen Portals können Kunden nun auch am Wochenende Bestellungen aufgeben.

Die Übernahme schafft für uns Synergien.

Paul Kuhn, VIdere-Inhaber

Das seitherige Wachstum, so Kuhn, sei aber nur wegen eines Faktors möglich gewesen. „Ohne gute Mitarbeiter ist eine Firma nichts“, betont Kuhn. Aktuell beschäftigt er 50 Mitarbeiter, 20 davon am Standort in Abtsgmünd. Das Familienunternehmen, bei dem sowohl Vater, Mutter wie auch die drei Kinder tätig sind, steht zudem vor einem weiteren Meilenstein.

Kuhn: „Das Wachstum ist kein Selbstzweck“

Seit der Gründung firmiert Videre als Einzelfirma ohne Gesellschaftsform. „Durch das enorme Wachstum wird sich hier etwas tun“, verrät Kuhn. Eines bleibt: Nach wie vor liegt der Geschäftsfokus auf den Hauptkunden Schreinereien, Zimmereien, Objekteuren, Fertighausindustrie sowie Handels-, Industrie- und Privatkunden.

Das spricht sich auch jenseits der Region herum: Neben Handwerksbetrieben zählen auch Sonderobjekte zu den Projekten, insbesondere im Türenbereich, etwa in Krankenhäusern, Seniorenwohnheimen, Kindergärten, Einkaufscentern und sogar dem Landtag in Stuttgart. Auch international ist Videre gefragt: Für den Bau der Moschee in Mekka lieferte man Holz.

Trotz der Internationalität und der vielen Meilensteine macht der Unternehmer deutlich: „Unsere Unternehmen sollen nachhaltig und solide wachsen. Wachstum ist für uns kein Selbstzweck.“

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© Wirtschaft Regional 31.03.2017 20:39
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