Krankheiten dauern länger

Fehlzeiten-Statistik AOK Ostwürttemberg legt dickes Zahlenwerk zum Krankenstand in der Region vor. 2016 fielen 19,6 Fehltage je AOK-Versicherten an.
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    Ein „Gelber Schein“ wird fällig: Ein Arzt hat einen Arbeitnehmer arbeitsunfähig geschrieben. Die AOK Ostwürttemberg zog dazu fürs Jahr 2016 Bilanz. Foto: Stockfotos-MG; fotolia

Aalen

Kranksein ist ein volkswirtschaftliches Thema. Ebenso strahlt es in den Betrieb hinein, weil dort Abwesenheiten zu kompensieren sind. Ein hoher Krankenstand ist mit hohen Kosten verbunden – für den Betrieb wie die Krankenkassen. Deshalb wird dazu genau Statistik geführt. Die AOK Ostwürttemberg stellt als Marktführer mit über 162 000 Versicherten repräsentative Zahlen vor. 2016 lag der Krankenstand in der Region bei durchschnittlich 5,4 Prozent – Tendenz gleichbleibend.

Trotzdem stieg die durchschnittliche Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) um 0,5 Prozent auf 19,6 Tage an. „Grund hierfür ist eine um 2,8 Prozent angestiegene Dauer einer Erkrankung. Eine Krankschreibung dauerte 2016 im Schnitt 11,0 Tage“, sagt Josef Bühler, Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg. Dabei gebe es durchaus regionale Unterschiede zu konstatieren. Im Ostalbkreis betrage die durchschnittliche Krankheitsdauer lediglich 10,5 Tage, in Heidenheim seien es 11,7 Tage gewesen. Und auch bei den AU-Meldungen je 100 Versicherten klaffen Welten zwischen den beiden Landkreisen der Region: Im Ostalbkreis waren es 183, in Heidenheim aber nur 174. Quintessenz daraus: In Heidenheim dauern Erkrankungen tendenziell länger als auf der Ostalb.

Für die Krankenkassen besonders brisant sind die Fälle, in denen die Krankheitsdauer über sechs Wochen liegt. Dann muss die Kasse die Lohnfortzahlung in Form des Krankengelds übernehmen. Bühler: „Die aktuelle Fallzahl liegt hier bei 1150 Versicherten. Sie schwankt zwischen 1000 und 1200.“

Und was können die Kassen gegen einen allzu hohen Krankenstand tun? Präventiv einwirken – so heißt hierbei die Formel. „Der Gesetzgeber hat seit Januar 2016 festgelegt, dass verpflichtend sieben Euro pro Jahr und Versicherten für Prävention ausgegeben werden muss, davon zwei Euro fürs betriebliche Gesundheitsmanagement“, erklärt Bühler. Das habe die AOK in Ostwürttemberg dank zweier BGM-Koordinatorinnen und Angeboten wie Gesundheitsnetzwerken und den Rückenkonzepten übertroffen. „In der Prävention sind Versichertenbeiträge gut angelegt“, sagt Bühler.

Sieben Euro pro Versicherten müssen in Prävention fließen.

Josef Bühler
AOK-Geschäftsführer

Über 40 Prozent der Versicherten waren 2016 nicht krank

Als Beispiele nennt er das Gesundheitsnetzwerk auf dem Gügling in Gmünd, das entstehende Netzwerk in Neresheim oder das Bezuschussen von Angeboten durch beauftragte Dritte. „Es ist eine Herausforderung, das BGM in kleineren Betrieben stärker zu implementieren“, sagt Bühler. Man müsse sich herantasten und passende Angebote finden. Die Branchenabhängigkeit von Fehlzeiten, die punktuell durchaus wirksam durch BGM-Maßnahmen beeinflusst werden könne, sei groß. Bühler: „Die Zahl der AU-Tage schwankte je nach Branche zwischen vier und 38 – das ist enorm!“ Und abschließend verweist Bühler auf eine durchaus positive Sichtweise beim Thema: „Immerhin 40,6 Prozent unserer Versicherten waren 2016 gar nicht krankgeschrieben.

Die Branche Verkehr/Transport/Logistik hatte mit 6,1 % den höchsten Krankenstand. Bei Banken und Versicherungen war er mit 3,6 % am niedrigsten.
Nach Krankheitsarten lagen Atemwegserkrankungen mit 24,6 % vor Muskel-/Skeletterkrankungen (16,8 %). Bezogen auf AU-Tage war der Anteil der Muskel-/Skeletterkrankungen allerdings mit 25 % an der Spitze. Psychische Erkrankungen lagen bei 9,8 %.

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© Wirtschaft Regional 20.03.2017 18:51
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