Kliniken sollen mehr kooperieren

Gesundheitssystem Beim Besuch in Ostwürttemberg fordert Dr. Christopher Hermann von Krankenhäusern mehr Spezialisierung und Zusammenarbeit. Neues Pflegegesetz erforderte Kraftakt.
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    Die AOK Baden-Württemberg fordert von den Kliniken mehr Kooperationen. Foto: Fotolia
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    Dr. Christopher Hermann (li.) und Josef Bühler analysieren das Gesundheitssystem aus AOK-Sicht. Foto: AOK

Aalen/Heidenheim

Beim turnusmäßigen Besuch der AOK-Bezirksdirektion hat sich Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, für eine stärkere Kooperation der Kliniken ausgesprochen. Zwar sei die Region Ostwürttemberg nach dem Schließen bzw. Umwandeln beispielsweise der Kliniken in Neresheim und Bopfingen bezüglich der Kliniklandschaft gut aufgestellt. Dennoch erfordere eine ständig steigende Komplexität eine gewisse Anzahl von Behandlungsfällen sowie eine wachsende Spezialisierung der Kliniken sowie der dort tätigen Ärzte. „Wir müssen Qualität und ökonomische Zwänge zusammen bringen und für eine bestmögliche Versorgung für die Versicherten sorgen“, sagt Christopher Hermann. Über rote Zahlen bei Krankenhäusern müsse sich ansonsten niemand wundern. Hermann: „Kooperation lautet bei Kliniken das Gebot der Stunde.“ Dabei dürften die Planungen und Kooperationen auch nicht an Landkreisgrenzen Halt machen, ergänzt Josef Bühler, AOK-Geschäftsführer in Ostwürttemberg. „Ziel ist, Mindestfallmengen und deren Behandlung in der Region zu halten“, sagt er. Insofern stimme die AOK mit den Vorstellungen des Sozialministers Manfred Lucha überein, der mittelfristig ein Reduzieren der Klinikstandorte von 250 auf rund 200 sieht. „50-Betten-Häuser, in den 1970er Jahren gebaut und in der näheren Umgebung größere Kliniken – diese Strukturen widersprechen einem hohen Qualitätsniveau“, sagt Hermann. Für solche Kliniken sei es schwierig, passende Ärzte zu bekommen – nach zehn Jahren Studium und fachlicher Arztausbildung.

Die AOK habe durchaus Einflussmöglichkeiten auf die Strukturen der Kliniklandschaft – und zwar über den Landeskrankenhaus-Ausschuss, in dem die AOK Mitglied sei. Und Josef Bühler verweist auf regelmäßige Gespräche beispielsweise mit der neuen, gemeinsamen Klinikleitung für die drei Häuser des Ostalbkreises. „Wir führen regelmäßig Gespräche über Budgets und die Betriebskostenfinanzierung.“

Christopher Hermann spricht den einmalig ausgeschütteten Krankenhausstrukturfonds an. Die von Bundesseite bereitgestellten 500 Millionen Euro sollen durch die Länder um denselben Betrag aufgestockt werden. Demnach stehen für strukturelle Eingriffe gut 130 Millionen Euro in Baden-Württemberg zur Verfügung.

Keine Projekte in Region

„Bei sieben oder acht Projekten werden das Land und die Kassen Einvernehmen erzielen und Umstrukturierungen und Spezialisierungen in den Krankenhäusern umsetzen. In der Region Ostwürttemberg ist aber keines der Projekte angesiedelt“, sagt Hermann.

50-Betten-Häuser widersprechen unserem Qualitätsniveau.

Dr. Christopher Hermann
Chef der AOK Baden-Württemberg

Weiteres Thema ist im Gespräch die Hausarztversorgung . Rund ein Drittel der praktizierenden Hausärzte werde in den kommenden Jahren ausscheiden. „Der Hausarzt der Zukunft ist weiblich“, sagt Josef Bühler. Denn: 70 Prozent der Medizinstudenten seien Frauen, die aber andere Lebensentwürfe hätten als heute klassische Landärzte. Die Folge: „Sie werden meist keine Einzelpraxen gründen und wollen sich häufig dabei nicht verschulden. Die Lösung sind Medizinische Versorgungszentren mit Back Offices“, beschreibt Hermann. „Wir werden nicht überall wieder einen Landarzt hinbekommen, wo einer wegfällt. Mehrere Gemeinden müssen sich zusammentun, um dieses Megathema mit unserer Hilfe zu stemmen.“

Diese Hilfe böte die AOK über ihr Hausarztmodell sowie VerAH’s, die Versorgungsassistenten der Hausärzte. Sie entlasteten die Ärzte bei Tätigkeiten. 129 VerAH’s gebe es in Ostwürttemberg bereits – Tendenz steigend.

Pflegegesetz: ein Kraftakt

„Im Bereich Pflege ist seit dem 1. Januar nix mehr so wie bisher“, sagt Christopher Hermann. Allein in Ostwürttemberg seien 8000 Pflegebedürftige von der Umstellung betroffen, informiert Josef Bühler. Die AOK habe im Herbst 2015 begonnen, sich mit der Umstellung von Pflegestufen in Pflegegrade zu befassen. Alle Betroffenen seien rechtzeitig angeschrieben worden. Hermann: „An manchen Tagen erreichten unsere Servicetelefone 5000 Anrufe.“ 2,5 Mitarbeiterstellen seien bei der AOK Ostwürttemberg hinzugekommen.

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© Wirtschaft Regional 15.03.2017 20:29
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